Nach dem feierlichen Defilieren von Raketen, Soldaten und ziemlich viel Pathos in Peking haben sich Chinas Chef-alles Xi Jinping und Nordkoreas Dauerherrscher Kim Jong Un zu einem weiteren Kaffeekränzchen getroffen. Laut dem chinesischen Außenministerium sei dieses Stelldichein von „erheblicher Bedeutung“ – was vermutlich bedeutet, dass beide Seiten höflich nicken und dabei versuchen, ernster auszusehen, als sie sich fühlen.
Ein Sprecher erklärte, man werde „Ansichten zu bilateralen Fragen und Themen von gemeinsamem Interesse“ austauschen – ein herrlich leerer Satz, der so gut wie immer fällt, wenn man eigentlich nichts sagen will.
Das letzte Mal hatten Xi und Kim sich 2019 gesehen. Seither war Funkstille. Da China Nordkorea als wichtigen, wenn auch reichlich anstrengenden kleinen Bruder wirtschaftlich über Wasser hält, ist Kims Besuch wohl ein Zeichen, dass man die Familienbande wieder ein bisschen auffrischen möchte.
Natürlich gibt es auch geopolitische Schachzüge: Beobachter werten die Reise als ein hübsches Signal an die USA – frei nach dem Motto: „Schaut her, Trump, ich habe noch andere Freunde!“ Apropos Trump: Der Ex-Präsident hatte Ende August einmal mehr Interesse an einem Treffen mit Kim bekundet. Wahrscheinlich vermisst er die Fototermine.
Kim selbst reiste standesgemäß im Zug an – Flugzeuge sind schließlich was für Leute ohne Panzerbegleitung – und nahm neben Xi und Russlands Putin an der Militärparade teil. Dort gab es nicht nur ordentlich Marschmusik, sondern auch eine Inszenierung von Chinas erstaunlich rasanter Schiffsbaukunst. Russland nutzte die Gelegenheit, Kim für das schicke Angebot nordkoreanischer Soldaten im Ukrainekrieg zu danken – Freundschaftsdienste unter Autokraten eben.
China wiederum demonstrierte stolz, wie man im Akkord Kriegsschiffe zusammenschraubt. Mit diesem Tempo will Peking langfristig die Meere dominieren und der US-Marine Konkurrenz machen. Wer braucht schon Wellness-Resorts oder Infrastruktur, wenn man auch eine neue Fregatte bauen kann?
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