Kurzüberblick
- Unternehmen: Nexcel Metals Corp.
- ISIN: CA65346B1013 | WKN: A410LD | Ticker: 2OH
- Thema: Wolfram + Seltene Erden, „Weltraumwirtschaft“, „kritische Mineralien“
- Quelle des Textes: bezahlter Artikel / Sponsored Content („Dieser Artikel wurde bezahlt…“)
- Marketingvergütung: laut Disclaimer 250.000 USD für 3 Monate digitale Kampagne (zzgl. Steuern)
Intervie: Niklas Linnemann ordnet ein
Frage: Niklas, auf den ersten Blick klingt das nach einer perfekten Story: Weltraum-Boom, kritische Rohstoffe, Wolframpreise hoch. Wo ist der Haken?
Niklas Linnemann: Der erste Haken steht meistens klein gedruckt – und hier sogar ziemlich offen: „Dieser Artikel wurde bezahlt“. Wenn ein Text im Auftrag eines Unternehmens veröffentlicht wird und gleichzeitig eine hohe Marketingvergütung genannt wird, ist das kein neutraler Research-Report, sondern Werbung. Werbung kann Fakten enthalten – aber sie hat ein Ziel: Aufmerksamkeit und Nachfrage erzeugen.
Frage: Im Text wird ein starkes Narrativ gebaut: ESA-Budget, NATO, Lieferketten, SpaceX, 1,8 Billionen Dollar Weltraumwirtschaft. Ist das unseriös?
Niklas Linnemann: Nicht automatisch. Das Problem ist die Logik-Abkürzung: „Megatrend ist echt → diese Aktie profitiert“. Zwischen Trend und Unternehmenswert liegen Jahre, Genehmigungen, Finanzierung, technische Studien, Betriebskosten, Metallurgie, Abnahmeverträge – und am Ende: Cashflow. Bei kleinen Rohstoff-Explorern ist die Lücke zwischen Story und Realität oft riesig.
Frage: Der Artikel argumentiert mit „historischen Ressourcen“ und „ehemals produzierender Mine“ (Burnt Hill). Klingt doch besser als reine Greenfield-Story?
Niklas Linnemann: „Brownfield“ und „historische Ressource“ können Vorteile sein – können, nicht müssen. Entscheidend ist:
- Wie aktuell ist die Ressource?
- Ist sie nach heutigem Standard belastbar (z. B. NI 43-101 aktuell, Methodik, Cut-off, Metallurgie)?
- Gibt es eine wirtschaftliche Studie (PEA/PFS/FS) mit CAPEX/OPEX, Sensitivitäten, Genehmigungsstatus?
Wenn ein Marketingtext vor allem mit Bruttowert-Rechnungen arbeitet („wenn alles abgebaut und zum heutigen Preis verkauft…“), ist das ein klassisches Alarmzeichen. Das blendet Kosten, Verluste, Verwässerung und Zeit komplett aus.
Frage: Was sagst du zu den extremen Preisargumenten (APT von 300 auf 1.250 USD)?
Niklas Linnemann: Rohstoffpreise sind zyklisch. Wenn ein Text stark auf einen Preisschock setzt, ist das oft Teil des „FOMO“-Triggers. Für Junior-Miner gilt: Hohe Preise helfen nur, wenn man rechtzeitig in Produktion kommt – und das ist bei Explorern selten kurzfristig. Gleichzeitig steigt bei hohen Preisen oft auch das Angebot oder Substitution/Optimierung – zumindest teilweise.
Frage: Im Disclaimer steht sinngemäß: Dritte könnten während oder nach der Kampagne kaufen/verkaufen und oft fällt der Kurs nach Kampagnenende. Wie bewertest du das?
Niklas Linnemann: Das ist einer der wichtigsten Sätze. Er beschreibt genau das typische Muster: Marketingkampagne → Volumen/Kurs hoch → Ende der Kampagne → Kurs/Volumen runter. Das ist kein Beweis für Manipulation, aber ein Hinweis auf ein Umfeld, in dem Privatanleger leicht zur Liquidität für andere werden.
Frage: Gibt es aus Investorensicht dennoch Gründe, warum jemand so etwas kauft?
Niklas Linnemann: Ja, als hoch spekulativer Trade mit sehr striktem Risikomanagement – nicht als Investment. Aber die meisten Privatanleger lesen so einen Text und glauben, sie kaufen „die Rohstoffbasis der Raumfahrt“. Das ist gefährlich.
Bewertung: Warum ich von einem Investment in Nexcel Metals abraten würde
1) Es ist bezahltes Marketing, nicht unabhängige Analyse
Der Text ist ausdrücklich gesponsert. Zudem wird eine hohe Vergütung genannt. Das schafft einen starken Interessenkonflikt.
2) Micro-/Small-Cap-typisches Risiko (Verwässerung, Finanzierung, Zeit)
Junior-Rohstofffirmen müssen meist wiederholt Kapital aufnehmen. Das führt oft zu Verwässerung und jahrelanger Projektunsicherheit.
3) „Bruttowert“-Rechnungen sind kein Unternehmenswert
„Ressource × Spotpreis“ ist eine Werbe-Rechnung, keine Bewertung. Wirtschaftlichkeit hängt an CAPEX/OPEX, Recovery, Genehmigungen, Infrastruktur, Finanzierungskosten, Abnahmeverträgen.
4) Trend-Story ersetzt keine Projektprüfung
Weltraumwirtschaft & kritische Mineralien sind reale Themen – aber das heißt nicht, dass dieses Unternehmen eine realistische, finanzierbare, genehmigungsfähige Mine baut.
5) Der Disclaimer warnt indirekt vor Kursmustern während Kampagnen
Der Text selbst beschreibt, dass es häufig kurzfristige Kurs-/Volumenspitzen gibt und danach Rückgänge.
Fazit in einem Satz
Auf Basis der vorliegenden Informationen (insbesondere: bezahlter Werbeartikel + Kampagnen-Disclaimer + typische Junior-Mining-Risiken) würde ich klar von einem Investment in Nexcel Metals Corp. abraten.
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