Bei Ben & Jerry’s kommt es zu einer spektakulären Zäsur: Jerry Greenfield, einer der beiden Gründer des Kult-Eisherstellers, hat das Unternehmen verlassen. Hintergrund ist ein offener Konflikt mit dem Mutterkonzern Unilever, der die Marke seit 2000 besitzt.
In einem Brief, den sein langjähriger Geschäftspartner Ben Cohen auf der Plattform X veröffentlichte, begründete Greenfield seinen Schritt mit dem Verlust der Unabhängigkeit des Unternehmens. Er kritisierte, dass Unilever das soziale Engagement von Ben & Jerry’s zunehmend eingeschränkt habe. „Ich kann nicht länger für ein Unternehmen arbeiten, das von seinem Eigentümer zum Schweigen gebracht wird“, schrieb Greenfield.
Konflikt über soziales Engagement
Ben & Jerry’s war seit seiner Gründung 1978 in Vermont für politisches und gesellschaftliches Engagement bekannt – von Klimaschutz über soziale Gerechtigkeit bis hin zu klaren Statements gegen Rassismus und Krieg. Unter Unilevers Führung habe das Unternehmen nach Darstellung von Greenfield jedoch nach und nach Freiheiten verloren. Besonders in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Spannungen, etwa über kritische Stellungnahmen zu internationalen Konflikten.
Zeitpunkt brisant: geplanter Börsengang
Der Rückzug Greenfields fällt in eine heikle Phase. Unilever plant, die Eissparte – zu der neben Ben & Jerry’s auch Marken wie Magnum gehören – an die Börse zu bringen. Analysten bewerten Greenfields Abgang als deutliches Signal, dass der Kurs zwischen Unternehmensführung und den ursprünglichen Idealen der Gründer kaum noch zu vereinen ist.
Zukunft ungewiss
Was Greenfield nach seinem Ausstieg plant, ist bisher unklar. Beobachter sehen in seinem Schritt aber eine Mahnung, dass der Spagat zwischen wirtschaftlichen Interessen eines globalen Konzerns und dem sozialen Anspruch einer Marke immer schwerer aufrechtzuerhalten ist.
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