Startseite Allgemeines Bei uns kommt der Strom doch aus der Steckdose!
Allgemeines

Bei uns kommt der Strom doch aus der Steckdose!

geralt (CC0), Pixabay
Teilen

150 Menschen in einem Saal, viele erhobene Hände, viel Empörung – und irgendwo zwischen „gigantisch!“ und „Grundrechte!“ die leise Hoffnung, dass sich Strom auch weiterhin zuverlässig dort bildet, wo er hingehört: in der Steckdose.

In Borna wurde über neue Windräder südlich der Stadt diskutiert. Der Oberbürgermeister hatte zur Einwohnerversammlung geladen, um über Regionalplanung, Abstandsregeln und Einflussmöglichkeiten der Kommune zu sprechen. Doch schnell wurde klar: Für viele geht es nicht um Details. Es geht ums Prinzip. Windräder? Nein. Größere Windräder? Auf gar keinen Fall. Überhaupt Wind? Bitte nur am Strand.

Zwar wird das sächsische Flächenziel reduziert, Beteiligungsverfahren werden wiederholt, Abstände von 1000 Metern zur Wohnbebauung betont – aber das alles hilft wenig, wenn die Grundhaltung lautet: „Nicht hier. Und eigentlich auch nirgendwo.“

Im Saal war von „massivem Eingriff in Grundrechte“ die Rede. Von Lärm, der krank mache. Von verseuchten Böden. Von fehlender Wertschöpfung. Und natürlich von Politikern, die „unser Sprachrohr“ sein sollen – allerdings bitte nur, solange sie exakt das sagen, was man selbst hören möchte.

Dass Kommunen beim Windkraftausbau nur begrenzte Entscheidungsgewalt haben, weil Bundes- und Landesgesetze Anlagen privilegieren, wurde als Offenbarungseid verstanden. Dabei ist es schlicht Rechtslage. Wer ernsthaft über Energiesicherheit spricht, muss sich auch mit der Realität befassen: Windkraft ist gesetzlich gewollt. Weil irgendwoher der Strom kommen muss.

Denn eines scheint in solchen Debatten oft vergessen zu werden: Die Alternative zu Windrädern ist nicht „heile Landschaft mit Dauerstromgarantie“. Die Alternative ist Abhängigkeit – von Importen, von fossilen Energieträgern, von Preisschwankungen und geopolitischen Launen.

Man kann gegen jedes einzelne Projekt sein. Gegen jede Trasse. Gegen jede Anlage. Gegen jede Veränderung. Aber mit der Haltung einer lautstarken Minderheit, die grundsätzlich „Nein“ ruft und gleichzeitig stabile Preise, sichere Versorgung und Klimaneutralität fordert, lässt sich keine Energiewende organisieren.

Energiesicherheit entsteht nicht durch Zettelabstimmungen auf dem Gehweg vor dem Veranstaltungssaal. Sie entsteht durch Planung, Abwägung, Technik – und ja, durch Anlagen, die man sieht.

Wer den Ausbau erneuerbarer Energien blockiert, sollte zumindest ehrlich sagen, was stattdessen passieren soll. Kohlekraftwerke zurück? Gas aus politisch stabilen Traumregionen? Oder doch hoffen, dass sich das Problem von allein löst, solange man nur laut genug „Nein“ sagt?

Strom kommt nicht aus der Steckdose. Er wird erzeugt. Und wenn man ihn klimafreundlich und möglichst unabhängig erzeugen will, dann braucht es Anlagen. Auch in Borna.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Florida: Republikaner wollen Flughafen nach Trump benennen

Im US-Bundesstaat Florida hat die republikanische Mehrheit im Parlament ein Gesetz verabschiedet,...

Allgemeines

Wetterextreme: Schneesturm legt Rumänien lahm – Hochwasser in Frankreich

Während sich der Frühling meteorologisch nähert, herrscht in Rumänien weiterhin tiefster Winter....

Allgemeines

Amazons Cloud-Sparte durch eigene KI-Tools beeinträchtigt

Die Cloud-Sparte von Amazon, Amazon Web Services (AWS), soll im vergangenen Jahr...

Allgemeines

Zahlreiche Insolvenzverfahren mangels Masse abgewiesen

In der Zeit vom 7. bis 21. Februar 2026 haben mehrere Insolvenzgerichte...