Der Bankenexperte Friedrich Weimann hat sich in der aktuellen Diskussion um das Filialsterben deutscher Kreditinstitute zu Wort gemeldet. Seine zentrale These: Banken schließen ihre Filialen nicht aus Willkür, sondern weil die Kunden sie immer seltener nutzen.
Digitalisierung verändert den Alltag
Weimann betont, dass sich die Art und Weise, wie Bankgeschäfte erledigt werden, in den vergangenen Jahren stark gewandelt habe. Während früher Überweisungen, Beratungsgespräche oder Bargeldabhebungen den Gang in die Filiale notwendig machten, seien heute die meisten Dienstleistungen bequem über Online- und Mobile-Banking verfügbar.
„Wir sind es, die unser Verhalten geändert haben“, so Weimann. „Banken reagieren lediglich darauf, indem sie ihre Strukturen anpassen.“
Wirtschaftlicher Druck
Neben dem veränderten Kundenverhalten spielt auch der Kostendruck eine Rolle. Filialen verursachen erhebliche laufende Ausgaben – von Personal über Miete bis hin zur Technik. Angesichts der Zinswende und der wachsenden Konkurrenz durch Direktbanken und Fintechs geraten klassische Institute zusätzlich unter Druck, ihre Kostenbasis zu verschlanken.
Folgen für ländliche Regionen
Besonders spürbar ist der Rückzug in ländlichen Gebieten, wo Bankfilialen häufig nicht nur für Bargeldversorgung, sondern auch als Anlaufstelle für persönliche Beratung dienten. Weimann sieht darin ein gesellschaftliches Problem: „Gerade ältere Menschen oder Menschen ohne digitale Kompetenz dürfen nicht abgehängt werden.“ Lösungen könnten mobile Bankservices, Kooperationen mit Einzelhändlern oder der Ausbau von Bargeldausgabe-Stellen sein.
Ein klarer Trend
Nach Einschätzung des Experten ist das Filialsterben unumkehrbar. Zwar werde es auch in Zukunft noch Bankfilialen geben, diese würden jedoch eher als spezialisierte Beratungszentren fungieren – nicht mehr als klassische Anlaufstelle für alltägliche Bankgeschäfte.
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