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„BaFin-Warnungen ernst nehmen!“ – Ein Interview mit Rechtsanwalt Maurice Högel

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Journalist: Herr Högel, die BaFin hat kürzlich vor mehreren dubiosen Finanzplattformen gewarnt. Verbraucher haben dort teils hohe Geldbeträge investiert. Was bedeuten diese Warnungen?

Maurice Högel: Die BaFin hat hier drei Fälle aufgegriffen, die für Verbraucher hochriskant oder sogar betrügerisch sind. In allen Fällen geht es um unerlaubt betriebene Finanzdienstleistungen oder Identitätsdiebstahl. Wer in Deutschland Finanzprodukte oder Bankgeschäfte anbietet, braucht eine BaFin-Erlaubnis – und genau die fehlt diesen Anbietern. Wer dort investiert, geht ein hohes Risiko ein, sein Geld zu verlieren.

Journalist: Lassen Sie uns die Fälle konkret durchgehen. Zunächst „Rendite Ratgeber“. Was ist hier das Problem?

Maurice Högel: Diese Plattform gibt sich als seriöser Finanzberater aus, bietet Festgeld, ETFs und Anleihen an – behauptet sogar, von der BaFin reguliert zu sein. Doch das ist eine glatte Lüge. Ohne Lizenz darf kein Unternehmen solche Produkte verkaufen. Wer dort investiert hat, könnte Opfer eines Anlagebetrugs geworden sein.

Journalist: Was können Betroffene tun?

Maurice Högel: Wer dort Geld angelegt hat, sollte sofort handeln:

  1. Alle Kommunikation und Überweisungsbelege sichern.
  2. Eigene Bank kontaktieren – eventuell ist eine Rückbuchung möglich.
  3. Die BaFin informieren – dort können Fälle gemeldet werden.
  4. Anzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft erstatten.

Es gibt rechtliche Wege, Geld zurückzuholen – etwa durch einen zivilrechtlichen Schadensersatzanspruch. Aber das ist schwer, wenn die Betreiber im Ausland sitzen.

Journalist: Kommen wir zum zweiten Fall: die Website „bsc-network.de“ mit ihren Jobangeboten. Hier geht es um Home-Office-Stellen, bei denen Kryptowährungen für Dritte gekauft werden sollen. Warum ist das so gefährlich?

Maurice Högel: Hier haben wir es mit einem Identitätsdiebstahl zu tun. Die angebliche Firma existiert gar nicht, stattdessen wird der Name eines realen Unternehmens missbraucht. Noch gefährlicher ist aber, dass die „Mitarbeiter“ illegale Kryptogeschäfte durchführen. Das kann für sie strafrechtliche Konsequenzen haben!

Journalist: Welche Strafen drohen?

Maurice Högel: Wer für Dritte Kryptowährungen kauft oder verwaltet, erbringt nach der neuen Kryptomärkteverordnung (MiCAR) eine lizenzpflichtige Dienstleistung. Ohne BaFin-Erlaubnis ist das eine Straftat. In Deutschland drohen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder hohe Geldstrafen.

Journalist: Also könnte jemand, der sich nur etwas dazuverdienen wollte, plötzlich strafrechtlich verfolgt werden?

Maurice Högel: Genau. Das ist das perfide an solchen Maschen! Viele denken, es sei nur ein harmloser Nebenjob. In Wahrheit waschen sie möglicherweise Geld für Kriminelle.

Journalist: Was sollten Betroffene tun, wenn sie so ein Jobangebot angenommen haben?

Maurice Högel: Sofort aufhören! Keine weiteren Transaktionen durchführen und sich dringend rechtlich beraten lassen. Außerdem:

  • Die Polizei informieren, um sich selbst zu schützen.
  • Eigene Bank kontaktieren, um mögliche Konsequenzen zu vermeiden.
  • BaFin melden, damit die Plattform schnell geschlossen wird.

Journalist: Der dritte Fall betrifft „Xyron Beam AI“, das Finanz- und Kryptodienstleistungen ohne Lizenz anbietet. Was bedeutet das für Anleger?

Maurice Högel: Wer hier investiert, hat es vermutlich mit einem klassischen Betrug zu tun. Solche Plattformen versprechen hohe Renditen mit Krypto-Anlagen oder KI-Trading, aber das Geld ist oft einfach weg. Anleger sehen vielleicht ein virtuelles Guthaben, das aber gar nicht existiert.

Journalist: Gibt es Chancen, das investierte Geld zurückzuerhalten?

Maurice Högel: Leider sind die Chancen gering, besonders wenn die Betreiber im Ausland sitzen. Aber es gibt Möglichkeiten:

  1. Bank kontaktieren – bei Zahlungen per Kreditkarte oder Überweisung kann ein Chargeback-Verfahren helfen.
  2. Anzeige erstatten, um eine Ermittlung einzuleiten.
  3. Sich mit anderen Betroffenen zusammenschließen – Sammelklagen oder spezialisierte Anwälte können helfen.

Journalist: Wie kann man sich generell vor solchen Betrugsmaschen schützen?

Maurice Högel: Die wichtigste Regel lautet: BaFin-Register prüfen! Jedes seriöse Finanzunternehmen in Deutschland muss dort registriert sein. Außerdem gilt:

  • Keine Angebote annehmen, die zu schön klingen, um wahr zu sein.
  • Misstrauisch sein, wenn Druck aufgebaut wird („Nur noch heute verfügbar!“).
  • Keine persönlichen Daten oder Ausweise hochladen, wenn man sich unsicher ist.

Journalist: Ihr abschließender Rat an Verbraucher?

Maurice Högel: Vorsicht ist besser als Nachsicht! Gerade im Bereich Online-Finanzen gibt es viele Betrugsfälle. Wer bereits betroffen ist, sollte nicht zögern, rechtliche Schritte einzuleiten – es gibt Wege, sich zu wehren!

Journalist: Herr Högel, vielen Dank für Ihre Einschätzung!

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