Im trockenen Südwesten der USA spitzt sich die Wasserkrise dramatisch zu. Der Colorado River, Lebensader für Millionen Menschen und landwirtschaftliche Betriebe, führt immer weniger Wasser. Am Lake Powell, dem zweitgrößten Stausee der USA, sind die Folgen bereits deutlich sichtbar: Früher schwimmende Bootsstege hängen heute teils über 30 Meter über der Wasseroberfläche in der Luft.
Klimaforscher warnen, dass sich die Situation weiter verschärfen könnte. Ein ungewöhnlich trockener Winter und steigende Temperaturen lassen befürchten, dass 2026 eines der schlimmsten Jahre für den Wasserstand des Sees werden könnte.
Vor diesem Hintergrund sorgt nun ein gigantischer Infrastrukturplan für Aufmerksamkeit – und heftige Kritik.
Acht Entsalzungsanlagen – möglicherweise mit Atomkraft betrieben
Die US-Organisation BlueRibbon Coalition schlägt vor, entlang der kalifornischen Pazifikküste und im Golf von Kalifornien insgesamt acht riesige Meerwasser-Entsalzungsanlagen zu bauen.
Die Idee:
Meerwasser soll zu Trink- und Bewässerungswasser aufbereitet und anschließend über mehr als 160 Kilometer ins Landesinnere gepumpt werden – vor allem in das landwirtschaftlich genutzte Imperial Valley in Kalifornien.
Dadurch könnte Kalifornien weniger Wasser aus dem Colorado River entnehmen und anderen Bundesstaaten mehr Wasser überlassen.
Die Kosten für das Projekt werden auf rund 40 Milliarden Dollar geschätzt.
Um den enormen Energiebedarf zu decken, könnten die Anlagen laut Planern sogar mit kleinen Atomreaktoren betrieben werden. Alternativ kämen auch Solar- oder Windenergie infrage.
Colorado River in einer historischen Krise
Sieben US-Bundesstaaten sind auf das Wasser des Colorado Rivers angewiesen:
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Arizona
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Kalifornien
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Colorado
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Nevada
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New Mexico
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Utah
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Wyoming
Doch durch eine langjährige Dürre und steigende Temperaturen nimmt die Wassermenge im Fluss stetig ab. Gleichzeitig streiten die Bundesstaaten darüber, wer wie viel Wasser nutzen darf.
Auch Mexiko sowie mehrere indigene Gemeinschaften besitzen Wasserrechte.
Der Klimatologe Peter Goble aus Colorado warnt:
„Es gibt keine Zahlen mehr, die darauf hindeuten, dass es dem Colorado River derzeit gut geht.“
Kritiker halten Plan für unrealistisch
Nicht alle Experten sind von dem Projekt überzeugt. Kritiker halten den Vorschlag für extrem teuer und ökologisch riskant.
Ein Problem ist der enorme Energiebedarf der Entsalzung. Selbst in Ländern wie Israel, die stark auf diese Technologie setzen, verbraucht die Wasserproduktion rund fünf Prozent des gesamten Stroms.
Hinzu kommt die Frage, wohin das hochkonzentrierte Salzwasser entsorgt werden soll, das bei der Entsalzung entsteht und für Meeresorganismen gefährlich sein kann.
Der Umweltexperte Aaron Weiss nennt den Plan daher schlicht „verrückt“.
„Die Idee ist, einfach Meerwasser auf das Problem zu werfen. Niemand hat jemals Entsalzung in diesem Ausmaß versucht.“
Außerdem könnten die tatsächlichen Kosten laut Kritikern deutlich über 40 Milliarden Dollar liegen, da enorme Pump- und Leitungsinfrastruktur nötig wäre.
Alte Ideen, neue Krise
Die Wasserprobleme im Westen der USA sind nicht neu. Über Jahrzehnte wurden immer wieder radikale Lösungen vorgeschlagen:
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Eisberge aus der Antarktis oder Alaska abschleppen
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Flüsse aus dem regenreichen Nordwesten umleiten
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Wasser aus den Großen Seen tausende Kilometer nach Westen pumpen
Bislang blieb es meist bei Ideen.
Zeit drängt
Viele Experten sind sich jedoch einig: Die Krise wird sich verschärfen.
Die Wasserstände im Lake Powell sind seit Jahrzehnten rückläufig. Der See erreichte 1983 mit 3.708 Fuß über dem Meeresspiegel seinen Höchststand. Heute liegt er deutlich darunter.
Sinkt der Pegel weiter, könnte bald die sogenannte „Power Pool“-Grenze erreicht werden – der Punkt, an dem die Wasserkraftwerke der Staudämme keinen Strom mehr erzeugen können.
Einige Experten sehen daher nur eine schnelle Lösung:
Wasser sparen.
„Am Ende entscheidet die Physik“, sagt Umweltexperte Aaron Weiss. „Die einzige realistische Lösung ist eine drastische Reduzierung des Wasserverbrauchs.“
Doch angesichts wachsender Städte, intensiver Landwirtschaft und eines sich weiter erwärmenden Klimas steht der amerikanische Westen möglicherweise vor einer der größten Wasserherausforderungen seiner Geschichte.
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