Atalanta Bergamo hat sich in einem Spiel, das eher an eine italienische Oper mit Pyrotechnik erinnerte als an ein Fußballmatch, ins Achtelfinale der Champions League katapultiert. Nach dem 0:2 im Hinspiel entschieden sich die Italiener offenbar für die Strategie „Alles oder nichts – und am besten in der 98. Minute“.
Das Ergebnis: ein 4:1 daheim gegen Borussia Dortmund, inklusive spätem Elfmetertor, VAR-Studium in Spielfilmlänge und kollektivem Nervenzusammenbruch auf schwarz-gelber Seite.
Frühschicht für den BVB – leider als Statist
Die Dortmunder begannen das Spiel wie jemand, der den Wecker überhört hat. Bereits in der fünften Minute klingelte es durch Gianluca Scamacca – offenbar war nur der BVB noch nicht ganz wach. Kurz vor der Pause legte Davide Zappacosta mit einem Schuss nach, der so unglücklich abgefälscht wurde, dass selbst die Physik kurz überlegte, ob sie das so wollte.
Nach der Pause erhöhte Mario Pasalic per Kopf auf 3:0 – spätestens da begannen die Dortmunder zu ahnen, dass „Generalprobe für Bayern“ vielleicht nicht das richtige Motto war.
Erst in der 75. Minute meldete sich der BVB zurück: Joker Karim Adeyemi zirkelte den Ball so schön ins Netz, dass man fast vergaß, dass es insgesamt noch immer ziemlich schlecht aussah.
Die 98. Minute – oder: Wie man sich selbst aus dem Turnier verabschiedet
Als sich alle bereits mental auf die Verlängerung einstellten, beschloss das Spiel, noch einmal komplett zu eskalieren.
Dortmunds Torhüter Gregor Kobel spielte einen Fehlpass, der vermutlich noch in Trainingsvideos unter „Bitte niemals so“ laufen wird. In der folgenden Rettungsaktion traf Ramy Bensebaini seinen Gegenspieler am Kopf – Gelb-Rot. Dann kam der VAR, schaute, schaute noch einmal und entschied schließlich: Elfmeter.
Lazar Samardzic trat an, verwandelte souverän – 4:1 in der 98. Minute. Dramaturgisch perfekt, für Dortmund emotional ungefähr so angenehm wie barfuß auf Lego zu treten.
In der hitzigen Schlussphase schaffte es sogar Ersatzspieler Nico Schlotterbeck, noch Rot zu sehen – vermutlich aus Solidarität.
„Tut extrem weh“ – understatement des Abends
Kapitän Emre Can fasste die Lage nüchtern zusammen: „Das tut extrem weh.“ Übersetzung: Es fühlt sich an wie ein Champions-League-Aus nach eigener Mithilfe.
Kobel übernahm die Verantwortung und entschuldigte sich bei seinen Mitspielern. Historisch reiht sich das Ganze in die Kategorie „legendäre Europacup-Kollapse“ ein – zuletzt gelang so etwas 1987 gegen Brügge.
Ohne Südtribüne, ohne Happy End
Die organisierte Dortmunder Fanszene blieb dem Spiel fern – aus Protest gegen polizeiliche Maßnahmen. Stattdessen sorgten die Gastgeber für die Atmosphäre – und für das Weiterkommen.
Fazit: Atalanta zieht nach einem epischen Drama ins Achtelfinale ein. Dortmund hingegen hat nun Zeit, sich zu fragen, ob man ein Spiel wirklich erst in der 98. Minute verlieren muss – oder ob 90 Minuten Chaos nicht schon gereicht hätten.
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