Die argentinische Zentralbank (Banco Central de la República Argentina, BCRA) hat ihre Devisenreserven in einem beispiellosen Umfang eingesetzt, um den weiteren Absturz des Peso zu verhindern. Mit einem Verkauf von 678 Millionen US-Dollar an nur einem Handelstag handelte die Notenbank so massiv wie seit sechs Jahren nicht mehr. In den letzten drei Tagen summierten sich die Interventionen sogar auf 1,1 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 936 Millionen Euro).
Druck auf den Peso verschärft sich
Die argentinische Währung steht seit Monaten unter starkem Abwertungsdruck. Ursachen sind die anhaltende Rekordinflation, das strukturelle Haushaltsdefizit sowie der Mangel an Vertrauen internationaler Investoren in die Wirtschaftspolitik. Zudem greifen viele Argentinier weiterhin verstärkt zum US-Dollar als Wertaufbewahrungsmittel, was den Druck auf die Landeswährung zusätzlich erhöht.
Politischer Kontext: Schwäche des Präsidenten Milei
Die Lage spitzt sich durch die politische Unsicherheit vor der Parlamentswahl im Oktober zu. Präsident Javier Milei, der mit einem radikalen Reformprogramm angetreten war – darunter die Schließung der Zentralbank und eine mögliche Dollarisierung der Wirtschaft –, erlitt bei den jüngsten Regionalwahlen in Buenos Aires eine schwere Niederlage. Diese Schwächung im wichtigsten politischen Machtzentrum des Landes wirft Zweifel auf, ob er seine angekündigten Reformen durchsetzen kann.
Eingriff mit Signalwirkung, aber begrenzter Nachhaltigkeit
Die jüngsten Eingriffe zeigen, dass die Zentralbank gewillt ist, ihre knappen Devisenreserven einzusetzen, um den Peso kurzfristig zu stabilisieren. Experten weisen jedoch darauf hin, dass solche Maßnahmen nur temporäre Effekte haben:
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Die Reserven der BCRA sind endlich und werden durch wiederholte Interventionen schnell abgeschmolzen.
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Strukturelle Probleme wie die extreme Inflation, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und die Abhängigkeit von Importen können durch Devisenverkäufe nicht behoben werden.
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Je näher die Wahl rückt, desto stärker dürfte die Unsicherheit auf den Finanzmärkten zunehmen.
Reaktionen an den Finanzmärkten
Anleger beobachten die Situation mit wachsender Sorge. Der Peso bleibt trotz der massiven Stützungskäufe schwach, und Risikoaufschläge auf argentinische Staatsanleihen haben sich zuletzt ausgeweitet. Internationale Investoren befürchten, dass sich die politischen Spannungen in den kommenden Wochen weiter verschärfen und möglicherweise auch die Umsetzung dringend benötigter Strukturreformen blockieren könnten.
Fazit
Mit den massiven Stützungskäufen versucht die argentinische Zentralbank, die unmittelbare Abwertung des Peso einzudämmen. Langfristig kann sie die fundamentalen Probleme des Landes damit jedoch nicht lösen. Die wirtschaftliche Zukunft Argentiniens hängt in hohem Maße vom politischen Kurs nach den Parlamentswahlen ab – und davon, ob es der Regierung gelingt, verlorenes Vertrauen bei Bevölkerung und Investoren zurückzugewinnen.
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