Die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg hat Anklage gegen insgesamt acht Personen erhoben, denen vorgeworfen wird, sich am illegalen Handel mit dem Corona-Medikament Paxlovid beteiligt zu haben. Unter den Angeschuldigten befinden sich mehrere Apotheker aus München, Nürnberg, Regensburg und Forchheim, Angestellte aus Apotheken sowie ein Zwischenhändler. Zwei der Beschuldigten sitzen derzeit in Untersuchungshaft.
Der Vorwurf
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Beteiligten größere Mengen Paxlovid bestellt und entgegengenommen haben – nicht, um Patienten mit dem Medikament zu versorgen, sondern um die Präparate illegal auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Damit sollen sie einen Schaden von rund drei Millionen Euro verursacht haben.
Die Generalstaatsanwaltschaft spricht von einem strukturierten Vorgehen, bei dem mehrere Apotheken gezielt eingesetzt wurden, um Lieferungen zu erhalten und anschließend in den illegalen Markt einzuschleusen. Über Zwischenhändler sollen die Packungen an Kunden weiterverkauft worden sein – zu Preisen, die weit über den regulären Marktwerten lagen.
Brisanz des Falls
Paxlovid spielte während der Corona-Pandemie eine zentrale Rolle: Es war eines der wenigen Medikamente, die bei rechtzeitiger Einnahme das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf deutlich reduzieren konnten. Umso schwerer wiegt der Vorwurf, dass ausgerechnet Apotheker, die als besonders vertrauenswürdige Akteure im Gesundheitssystem gelten, das Medikament zweckentfremdet und für eigene Gewinne missbraucht haben sollen.
Die Gefahr für Patienten bestand nicht nur darin, dass Präparate möglicherweise unprofessionell gelagert oder transportiert wurden. Vor allem aber fehlten diese Medikamente dann in den regulären Apotheken, wo sie für gefährdete Corona-Patienten dringend benötigt wurden.
Ermittlungen und Folgen
Die Ermittlungen laufen bereits seit Monaten und hatten in mehreren Städten zu Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen geführt. Nach Angaben der Behörden wurden umfangreiche Beweismittel sichergestellt, darunter Geschäftsbücher, Lieferscheine und digitale Kommunikationsdaten.
Sollte sich der Vorwurf bestätigen, drohen den Beschuldigten mehrjährige Freiheitsstrafen. Für die beteiligten Apotheker steht zusätzlich die berufsrechtliche Existenz auf dem Spiel: Neben einer strafrechtlichen Verurteilung könnte ihnen auch die Approbation entzogen werden, was ein dauerhaftes Berufsverbot nach sich ziehen würde.
Vertrauensverlust in die Branche
Der Fall hat bereits jetzt für Diskussionen gesorgt. Kritiker sprechen von einem erheblichen Vertrauensverlust in eine Berufsgruppe, die in der Pandemie eine Schlüsselrolle spielte. Apotheker gelten eigentlich als verlässliche Schnittstelle zwischen Ärzten, Patienten und dem Gesundheitssystem. Dass einige wenige mutmaßlich ihre Stellung missbraucht haben, könnte das Vertrauen vieler Patienten nachhaltig erschüttern.
Wie es weitergeht
Das Verfahren wird voraussichtlich vor einem Landgericht in Bayern verhandelt. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für alle Angeklagten die Unschuldsvermutung.
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