In den USA geht ein Stück Internetgeschichte zu Ende: Der einst weltbekannte Online-Anbieter AOL (America Online) stellt an diesem Dienstag endgültig seinen Einwahl-Internetdienst ein. Damit endet eine Ära, die in den 1990er Jahren Millionen Menschen den ersten Zugang zum World Wide Web ermöglichte – begleitet vom charakteristischen Modem-Piepen, das zum Symbol der frühen Internetzeit wurde.
Vom Piep-Ton ins Breitbandzeitalter
Bevor DSL, Kabel oder Glasfaser Standard wurden, war der Weg ins Internet nur über das Telefonnetz möglich. Nutzer mussten sich über ein 56k-Modem oder eine ISDN-Leitung einwählen – ein Prozess, der oft minutenlang dauerte. In dieser Zeit war AOL einer der bekanntesten Anbieter weltweit.
Mit seinen Einwahl-CDs, die massenhaft per Post verschickt oder Zeitschriften beigelegt wurden, war AOL in Millionen Haushalten präsent. Auch in Deutschland erlangte das Unternehmen große Bekanntheit – nicht zuletzt durch den legendären Werbespot mit Boris Becker und dem Satz: „Bin ich schon drin?“
AOL prägte den Internetstart einer Generation
In den 1990er und frühen 2000er Jahren war AOL das Synonym für den Einstieg ins Netz. Das Unternehmen bot nicht nur den Zugang, sondern auch eigene Startseiten, Chatrooms, E-Mail-Adressen und Nachrichtendienste an – ein geschlossenes Internet-Ökosystem, lange bevor soziale Netzwerke und Streamingplattformen populär wurden.
In seiner Hochphase zählte AOL über 30 Millionen Abonnenten weltweit und war kurzzeitig eines der wertvollsten Technologieunternehmen der Welt.
Konkurrenz und technischer Fortschritt verdrängten AOL
Mit dem Aufkommen von Breitbandanschlüssen, WLAN und später mobilen Datennetzen verlor die klassische Einwahl-Technik jedoch schnell an Bedeutung. Immer mehr Nutzer wechselten zu Anbietern mit schnelleren und günstigeren Verbindungen.
AOL konnte sich zwar noch eine Zeit lang als Webportal und E-Mail-Dienst behaupten, verlor aber kontinuierlich Marktanteile. Der endgültige Abschied vom Einwahl-Internet markiert nun das symbolische Ende einer Ära.
Vom Internetpionier zur digitalen Marke
Heute existiert AOL nur noch als Marke innerhalb des US-Konzerns Yahoo, der seinerseits Teil des Telekommunikationsunternehmens Verizon war. Viele der früheren AOL-Dienste – darunter der E-Mail-Service – bestehen zwar weiter, doch das ursprüngliche Geschäftsmodell als Internetzugangsanbieter ist endgültig Geschichte.
Der Abschied vom Einwahl-Internet steht damit stellvertretend für den Wandel der gesamten Digitalgesellschaft – von piependen Modems und Minutenpreisen hin zu flächendeckendem Highspeed-Internet, das heute für viele selbstverständlich ist.
Kommentar hinterlassen