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Anwalt glaubte an 111 Uhren – und bekam vier Jahre Zeit, drüber nachzudenken

Daniel_B_photos (CC0), Pixabay
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Manche Menschen sammeln Briefmarken, andere Luxusuhren. Ein Wiener Anwalt sammelte offenbar Haftgründe.
Der Jurist, einst Masseverwalter mit feinem Anzug und solidem Ruf, wurde jetzt zu vier Jahren unbedingter Haft verurteilt – weil er mehr Millionen veruntreute, als selbst seine Rolex zählen konnte.


Vom Treuhänder zum Träumer

Alles begann, wie so viele österreichische Wirtschaftskrimis, mit einem Rumänen und einer großen Idee.
Ein Bauprojekt, Renditeversprechen, Darlehensverträge – und natürlich ein bisschen „nur kurz Geld vorstrecken“.
Klingt vertraut? Ja, das dachten schon viele Anleger, bevor sie merkten, dass „Bauprojekt“ meist bedeutet: Es wird viel gebaut – nur nicht das, was versprochen war.

Unser Anwalt griff erst ins Privatvermögen. Dann in die Mandantengelder. Schließlich in alles, was nicht bei drei im Aktenschrank war.
Über fünf Millionen Euro landeten – man glaubt es kaum – auf Krypto-Wallets in Rumänien.


Das Märchen von den 111 Uhren

Zur Beruhigung versprach der vermeintliche Geschäftspartner dem Anwalt 111 Luxusuhren aus Dubai.
Ja, richtig gelesen. Nicht eine, nicht zehn – 111!
So viele, dass selbst ein Oligarch überlegen müsste, welches Handgelenk er zuerst schmückt.

Das Beste: Der Rumäne wollte sie natürlich nur „kurz versteuern“ und dann ausliefern.
Wie sich später herausstellte, suchte die Polizei zu diesem Zeitpunkt schon europaweit nach dem Mann – vermutlich mit dem Hinweis: „Achtung, trägt keine Uhr!“


56 Millionen auf dem Papier – null Cent auf dem Konto

Als Krönung erhielt der Anwalt ein rumänisches Bankdokument, das ihm den Eingang von 56,78 Millionen Euro bescheinigte.
Auf dem Papier war er also Multimillionär – auf dem Konto blieb er mittellos.
Man könnte sagen: ein klassischer Fall von Papiergold statt Kryptowert.


Vom Grauen Haus zum grauen Alltag

Vor Gericht legte der Anwalt ein umfassendes Geständnis ab.
Untreue, Veruntreuung, gewerbsmäßiger Betrug, betrügerische Krida – die ganze juristische Speisekarte.
Das Gericht war gnädig: vier Jahre Haft statt zehn. Mildernd wirkten Alter, Unbescholtenheit und der Umstand, dass er sich immerhin selbst angezeigt hatte – was in dieser Branche ja schon fast als Einsicht gilt.


Moral von der Geschichte

Wer als Anwalt einem dubiosen Kreditvermittler glaubt, dass in Dubai 111 Uhren auf ihn warten,
hat vermutlich zu viele Verträge gelesen – und zu wenig Lebensrealität.

Die Mandanten dürften sich inzwischen fragen, ob ihr Treuhandkonto auch in Rumänien lagert – oder vielleicht in einem „gesicherten Raum in Bukarest“.
Immerhin: Nach seiner Haftzeit hat der Jurist viel Zeit, über Vertrauen, Gier und die Tücken des Online-Bankings nachzudenken.

Oder, wie man in Wien sagen würde:
„Er hat’s vergeigt – aber wenigstens mit Stil und Chronometerphantasie.

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