Der Krieg, den US-Präsident Donald Trump gemeinsam mit Israel gegen den Iran begonnen hat, könnte sich als deutlich komplizierter erweisen als zunächst angenommen. Zwar spricht Trump bereits von einem „Sieg“, gleichzeitig betont er jedoch, der Konflikt sei „noch nicht beendet“. Diese widersprüchliche Rhetorik zeigt ein grundlegendes Problem moderner Kriegsführung: Ein militärischer Erfolg lässt sich nicht so eindeutig feststellen wie ein Sieg im Sport.
Die zentrale Frage lautet daher: Wann gilt ein Krieg tatsächlich als gewonnen? Reicht es, militärische Ziele zu zerstören – oder muss der Gegner auch politisch zu einer Kapitulation gezwungen werden?
Der klassische Irrtum schneller Kriege
Trump scheint in eine bekannte strategische Falle geraten zu sein: die Annahme, dass ein schneller militärischer Schlag auch rasche politische Ergebnisse bringt. Ähnliche Fehleinschätzungen gab es bereits mehrfach in der Geschichte:
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Die Sowjetunion in Afghanistan
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Die USA im Irak 2003
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Russland in der Ukraine
In allen Fällen entwickelte sich aus einer geplanten schnellen Operation ein langwieriger Konflikt.
Auch im aktuellen Krieg zeigt sich ein ähnliches Muster. Zwar hat die US-Luftwaffe zahlreiche iranische Ziele getroffen, doch der Iran scheint den Angriff bisher überstanden zu haben und weiterhin handlungsfähig zu bleiben.
Machtvakuum nach Khameneis Tod
Der Tod des iranischen Revolutionsführers Ali Khamenei bei einem Luftangriff am 28. Februar sollte möglicherweise das Regime destabilisieren. Stattdessen scheint das Gegenteil eingetreten zu sein. Hardliner haben die Macht konsolidiert und Khameneis Sohn Mojtaba als neuen Obersten Führer eingesetzt – genau den Mann, den Trump zuvor öffentlich ablehnte.
Gleichzeitig streben die Revolutionsgarden (IRGC) offenbar nach Vergeltung für die getöteten Kommandeure. Diese Dynamik erschwert jede schnelle Beendigung des Krieges erheblich.
Iran setzt auf Durchhaltevermögen
Der Iran hat den Konflikt inzwischen in einen Abnutzungskrieg verwandelt. Während die USA über enorme militärische Mittel verfügen, sind auch deren Ressourcen begrenzt. Längere Luftkampagnen verbrauchen Munition, erhöhen politische Risiken vor den US-Zwischenwahlen und steigern die Gefahr weiterer amerikanischer Verluste.
Der Iran hingegen verfolgt eine andere Strategie: Überleben und Widerstand. Selbst wenn militärische Infrastruktur zerstört wird, könnten genug Fähigkeiten erhalten bleiben, um Angriffe fortzusetzen.
Wirtschaftlicher Druck als Waffe
Zusätzlich nutzt Teheran wirtschaftliche Hebel. Angriffe auf Schiffe und Drohungen gegen die Straße von Hormus treiben den Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel und setzen die Weltwirtschaft unter Druck. Schon diese Unsicherheit kann politisch als Erfolg gewertet werden.
Schwieriger Ausweg
Trump hat inzwischen mehrfach von einem baldigen Kriegsende gesprochen. Doch gerade diese Aussagen könnten dem Iran signalisieren, dass Washington den Konflikt möglichst schnell beenden möchte.
Für Teheran ergibt sich daraus eine klare Strategie: einfach durchhalten.
Wahrscheinlich ist deshalb kein klarer militärischer Sieg, sondern ein langsames Abklingen der Kämpfe durch diplomatische Gespräche oder gegenseitige Erschöpfung. Beide Seiten könnten anschließend behaupten, gewonnen zu haben.
Doch selbst dann wäre der Konflikt nicht wirklich gelöst. Der Iran würde sein Militär vermutlich wieder aufbauen – möglicherweise mit Unterstützung von Russland und China – und künftig verstärkt auf asymmetrische Angriffe setzen.
Damit könnte der Krieg zwar formal enden. Die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran jedoch dürfte noch lange weitergehen.
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