Startseite Allgemeines Analyse: Die US-Notenbank kennt Ölkrisen – doch diesmal könnte alles anders sein
Allgemeines

Analyse: Die US-Notenbank kennt Ölkrisen – doch diesmal könnte alles anders sein

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
Teilen

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat in ihrer Geschichte bereits mehrere Ölkrisen erlebt. Doch die aktuelle Situation könnte sich als besonders schwierig erweisen. Während die Währungshüter in dieser Woche über den nächsten Kurs der US-Geldpolitik beraten, droht der Krieg zwischen den USA und Iran die amerikanische Wirtschaft massiv unter Druck zu setzen.

Ölpreise schießen in die Höhe

Der Konflikt hat die Energiepreise stark steigen lassen. Der US-Rohölpreis WTI kletterte zeitweise auf 120 Dollar pro Barrel. Damit drohen steigende Kosten für Benzin, Transport, Produktion – und letztlich für fast alle Güter, die Verbraucher kaufen.

Gleichzeitig könnten die höheren Energiepreise Unternehmen und Haushalte finanziell belasten, was Investitionen und Konsum dämpft. Das würde das Wirtschaftswachstum bremsen und den Arbeitsmarkt schwächen.

Für die Fed entsteht damit ein klassisches Dilemma:

  • steigende Inflation auf der einen Seite

  • schwächerer Arbeitsmarkt und geringeres Wachstum auf der anderen.

Schwieriger Zeitpunkt für neue Fed-Führung

Die Situation kommt zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Kevin Warsh, der von Präsident Donald Trump als neuer Fed-Chef vorgeschlagen wurde, wartet derzeit auf seine Bestätigung durch den Senat. Gleichzeitig wird in Washington über Zinssenkungen diskutiert – eine Forderung, die angesichts steigender Inflation politisch heikel ist.

Vergleich mit der Ölkrise von 1973

Die letzte ähnlich schwere Ölkrise erlebten die USA während des Arabisch-Israelischen Kriegs 1973. Damals verhängten arabische OPEC-Staaten ein Ölembargo gegen westliche Länder. Die Folge war eine Phase der sogenannten Stagflation – also gleichzeitig hohe Inflation und schwaches Wachstum.

Heute unterscheidet sich die Situation jedoch in einigen Punkten:

  • Die USA sind inzwischen der größte Ölproduzent der Welt.

  • Die Wirtschaft basiert stärker auf Dienstleistungen und ist weniger abhängig von importiertem Öl.

Dennoch warnen Experten, dass die aktuelle Krise in mancher Hinsicht sogar größer sein könnte als damals.

Der Historiker Nicholas Mulder von der Cornell University erklärt:
Während 1973 etwa 4,5 Millionen Barrel Ölproduktion betroffen waren, seien es heute rund 20 Millionen Barrel, die durch den Krieg blockiert oder gefährdet sind.

Infrastruktur unter Beschuss

Ein weiterer Unterschied: Die Energieinfrastruktur selbst wird angegriffen. Laut Energieexperten könnten iranische Drohnen- und Raketenangriffe Anlagen beschädigen, deren Reparatur Monate dauern könnte.

Das erhöhe die Unsicherheit erheblich und könnte den Ölmarkt länger destabilisieren.

Auswirkungen auf amerikanische Verbraucher

Die Folgen spüren viele Amerikaner bereits an der Tankstelle. Gleichzeitig verschlechtert sich die Stimmung der Verbraucher.

Eine aktuelle Umfrage der University of Michigan zeigt, dass das Verbrauchervertrauen im März gesunken ist. Viele Befragte nannten den Krieg und steigende Preise als Grund für ihre Sorgen.

Auch der Arbeitsmarkt zeigt erste Schwächezeichen:

  • Im Februar gingen 92.000 Arbeitsplätze verloren.

  • Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,4 Prozent.

Inflation wahrscheinlich – aber wie stark?

Ökonomen gehen davon aus, dass der Krieg die Inflation weiter antreiben wird. Wie stark dieser Effekt ausfällt, ist jedoch noch unklar.

„Es besteht kaum Zweifel, dass der Konflikt mit Iran einen Inflationseffekt haben wird“, sagt Tani Fukui von MetLife Investment Management. „Wie groß dieser Effekt letztlich sein wird, ist aber noch völlig offen.“

Die entscheidende Frage

Für die USA geht es in dieser Krise nicht nur darum, wie stark die Energiepreise steigen. Entscheidend ist auch, ob die Federal Reserve aus den Erfahrungen früherer Ölkrisen die richtigen Lehren ziehen kann – und ob sie verhindern kann, dass die amerikanische Wirtschaft erneut in eine Phase aus Inflation und wirtschaftlicher Schwäche gerät.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Warnung vor vermeintlichen Investment-Deals: Betrüger nutzen Hoffnung auf hohe Gewinne

Ein aktueller Fall aus Baden-Württemberg zeigt erneut, wie gefährlich scheinbar lukrative Anlageangebote...

Allgemeines

Schatzsucher nach zehn Jahren Haft freigelassen – Verbleib von Goldmünzen weiterhin ungeklärt

Ein US-amerikanischer Tiefsee-Schatzsucher ist nach rund zehn Jahren Haft aus dem Gefängnis...

Allgemeines

Zu große Schuhe im Oval Office? Trumps Geschenk sorgt für Spott

Im Weißen Haus sorgt derzeit ausgerechnet ein Mode-Detail für Diskussionen: die Schuhe...

Allgemeines

„Mein Brief an meine tote Tochter“ – Eine Mutter vergibt dem Mann, der ihr Kind tötete

Ann Grosmaire war gerade 19 Jahre alt, als sie von ihrem Freund...