Amazon kündigte am Dienstag die Schließung seiner physischen Supermarktketten Amazon Fresh und Amazon Go an. Insgesamt sind etwa 70 Filialen in den USA betroffen. Künftig will der Konzern seine Lebensmittelsparte unter der Marke Whole Foods konsolidieren.
In einem Blogbeitrag erklärte das Unternehmen, man habe in den betroffenen Läden zwar positive Entwicklungen gesehen, jedoch sei es nicht gelungen, ein „wirklich unverwechselbares Kundenerlebnis mit einem wirtschaftlich tragfähigen Modell für eine Expansion im großen Stil“ zu schaffen.
Einige Standorte sollen in Whole Foods Market-Filialen umgewandelt werden. Darüber hinaus plant Amazon die Eröffnung von rund 100 neuen Märkten, darunter kleinere Filialen im neuen Konzept Whole Foods Market Daily Shop.
„Wir sind unseren Teammitgliedern für ihren langjährigen Einsatz sehr dankbar und bemühen uns, ihnen wenn möglich neue Positionen innerhalb von Amazon anzubieten – insbesondere in unserem weit verzweigten Logistiknetzwerk“, teilte das Unternehmen mit.
Parallel testet Amazon neue Konzepte im stationären Handel. In Illinois entsteht aktuell ein „Store-in-Store“-Modell, bei dem Amazon Grocery mit Whole Foods kombiniert wird. In einem Vorort von Chicago wird zudem ein rund 21.000 Quadratmeter großer Einzelhandelsstandort gebaut, der dem Vorbild Walmart ähnelt.
Ein zentrales Problem der bisherigen Filialen sei laut Neil Saunders, Managing Director von GlobalData, dass sie den Kund:innen keinen ausreichenden Mehrwert boten. Amazon Fresh sei zu ähnlich zu bestehenden Supermärkten gewesen, während die Just-Walk-Out-Technologie von Amazon Go von vielen Käufer:innen als wenig relevant empfunden worden sei.
Die Schließungen bedeuten jedoch nicht, dass Amazon im Lebensmittelbereich scheitert, so Saunders weiter. Mit einem Umsatz von rund 150 Milliarden US-Dollar, über 150 Millionen Kund:innen und einem wachsenden Marktanteil – selbst gegenüber Branchenführer Walmart – bleibt Amazon eine treibende Kraft im Lebensmitteleinzelhandel.
Zuletzt hatte der Konzern auch in eigene Handelsmarken wie Amazon Grocery und Amazon Saver investiert, um gegen Discounter wie Aldi und Lidl anzutreten. Zudem bietet Amazon mittlerweile in über 2.000 Städten in den USA die taggleiche Lieferung frischer Lebensmittel an.
Kommentar hinterlassen