Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus hat vorgeschlagen, das ins Stocken geratene Zukunftsprojekt für einen neuen europäischen Kampfjet aufzuteilen. Statt eines gemeinsamen Flugzeugs könnten demnach zwei unterschiedliche Modelle entwickelt werden. Hintergrund ist ein anhaltender Streit zwischen den beteiligten Herstellern über die Führungsrolle in dem rund 100 Milliarden Euro schweren Programm.
Im Zentrum des Konflikts steht das sogenannte Future Combat Air System (FCAS), das 2017 ins Leben gerufen wurde. Neben einem Kampfjet der nächsten Generation umfasst das Vorhaben auch autonome Drohnen sowie eine digitale „Combat Cloud“, die verschiedene Waffensysteme vernetzen soll. Während Airbus – zuständig für Deutschland und Spanien – und der französische Partner Dassault Aviation grundsätzlich zusammenarbeiten, ringen sie seit Jahren um Kompetenzen und Einfluss beim Kernstück des Projekts: dem neuen Jet.
Airbus-Chef Guillaume Faury erklärte, die aktuelle Blockade dürfe nicht die gesamte europäische Hightech-Fähigkeit im Verteidigungsbereich gefährden. Sollte es von politischer Seite gewünscht werden, unterstütze Airbus eine „Zwei-Kampfjet-Lösung“ innerhalb eines neu strukturierten FCAS-Programms. Ziel sei es, die europäische Verteidigungsfähigkeit zu stärken – gegebenenfalls auch mit zusätzlichen Partnern.
Zuletzt hatte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz Zweifel am bisherigen Konzept geäußert. Deutschland benötige keinen nuklearwaffenfähigen Kampfjet, während Frankreich genau darauf Wert lege. Merz betonte, es handle sich nicht um einen politischen, sondern um einen technischen Dissens zwischen beiden Ländern.
Trotz der Schwierigkeiten verweist Faury darauf, dass andere Säulen des FCAS-Projekts Fortschritte machten. Die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Spaniens müssen nun entscheiden, ob sie wie geplant in die nächste Phase eintreten oder das Kampfjet-Element zurückstellen und sich zunächst auf die übrigen Komponenten konzentrieren.
Wirtschaftliche Lage: Gewinnplus, aber Produktionsprobleme
Unabhängig vom Rüstungsprojekt meldete Airbus für das vergangene Jahr einen Gewinnanstieg um 23 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Dennoch gerieten die Aktien unter Druck. Grund sind anhaltende Probleme in der Lieferkette, insbesondere beim US-Triebwerkshersteller Pratt & Whitney. Dessen Engpässe bei Triebwerken für die A320-Familie erschweren die geplante Produktionsausweitung.
Airbus wollte die monatliche Fertigung des Bestsellers A320 von derzeit 60 auf 75 Maschinen erhöhen. Ob dieses Ziel erreicht wird, ist nun ungewiss. Für das laufende Jahr plant der Konzern rund 870 Auslieferungen – nach 793 Maschinen im Vorjahr.
Zusätzlich belastet ein im Dezember entdecktes Problem mit Rumpfpanelen mehrere Hundert Flugzeuge, die überprüft werden mussten. Im Januar sanken die Auslieferungen auf den niedrigsten Stand seit 2020. Davon profitierte der US-Konkurrent Boeing, der nach mehreren Krisenjahren wieder deutlich mehr Verkehrsflugzeuge auslieferte.
Ob Airbus mit einer Zwei-Jet-Strategie neuen Schwung in das europäische Rüstungsprojekt bringen kann, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Entscheidung über die Zukunft des FCAS wird richtungsweisend für Europas sicherheits- und industriepolitische Ambitionen sein.
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