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Abschlussfeiern unter Angst: Schulen in Los Angeles im Zentrum der Migrationsdebatte

jwvein (CC0), Pixabay
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Eigentlich sollten sie ein Grund zur Freude sein: Schulabschlussfeiern, bei denen Familien die Leistungen ihrer Kinder feiern. Doch für viele Einwandererfamilien in Los Angeles sind diese Veranstaltungen von Angst überschattet – aus Furcht vor Abschiebung durch die US-Behörde ICE (Immigration and Customs Enforcement).

Die Los Angeles Unified School District (LAUSD), der zweitgrößte Schulbezirk der USA, ist inzwischen ins Zentrum der nationalen Debatte über Einwanderung und Familientrennungen geraten. Seit Wochen berichten Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen von zunehmender Nervosität, zurückgehender Anwesenheit bei Schulveranstaltungen – und sogar Lockdowns von Schulen.

Ein Fest unter Beobachtung

Während der Abschlussfeier an der Palms Middle School am 10. Juni sprach Rektor Arturo Enriquez offen über die Anspannung. Menschen außerhalb des Geländes hätten ihn informiert, sollten ICE-Beamte auftauchen. Mit Tränen in den Augen sagte Enriquez:

„Diese unglaubliche Gemeinschaft, all diese Schüler, Eltern, Freunde – sie sind der Grund, warum diese jungen Menschen bereit sind für den nächsten Schritt.“

Doch viele Eltern waren nicht da. Die Angst vor plötzlichen Verhaftungen war zu groß – auch angesichts eines Vorfalls am 29. Mai, bei dem ein Viertklässler aus Torrance und sein Vater in Texas festgenommen wurden. Sie sollen nach Honduras abgeschoben werden.

Abschiebungen auch an Schulen – Angst und Proteste wachsen

Superintendent Alberto Carvalho berichtete auf einer Pressekonferenz am 9. Juni von Eltern, die den Schulabschluss ihres Kindes verpassen, weil sie die Sicherheitslage nicht einschätzen können.

„Ich habe mit Eltern gesprochen, deren Tochter die erste in der Familie ist, die einen Schulabschluss macht – doch sie werden nicht dabei sein“, sagte Carvalho.

Erschwerend kommt hinzu: Laut Schulvertretern sollen im April bereits Bundesbeamte versucht haben, zwei Schulen zu betreten. Sie wurden zwar abgewiesen, doch das Gefühl der Bedrohung bleibt.

In einem Fall versetzten Einsatzkräfte mit Blendgranaten am 6. Juni eine Schule in den Lockdown, nachdem sie gegen Demonstrierende in Schulnähe vorgingen.

Politische Reaktionen: Kalifornien widersetzt sich

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom kritisierte die Migrationsrazzien und den Einsatz von Nationalgardisten scharf. Er reichte Klage gegen Präsident Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth ein, weil die Truppen „verfassungswidrig und ohne Zustimmung des Staates“ entsandt worden seien.

Bildungsminister Tony Thurmond nannte das Vorgehen eine „Gefahr für unsere Kinder“.

„Wenn der Präsident unsere Immigrantenfamilien angreift, schadet er Kaliforniens Kindern.“

Auch Bürgermeisterin Karen Bass forderte die Rücknahme der Maßnahmen.

Lehrkräfte schlagen Alarm: „Ich tue so, als wäre alles normal“

Eine anonyme Grundschullehrerin berichtete, dass viele ihrer Schüler aus Guatemala stammen und in ständiger Angst leben. In den Tagen rund um den 10. Juni seien Busstationen leer geblieben und Klassenzimmer halbleer.

Ihr eigener sechsjähriger Sohn habe sie gefragt:

„Mama, gut, dass du Papiere hast. Dann können sie dich nicht mitnehmen.“

Schulen wollen sicheren Ort garantieren

Superintendent Carvalho hat Schulpolizisten angewiesen, bei Abschlussfeiern aktiv einzugreifen, sollten Bundesbehörden versuchen, Schüler oder Angehörige festzunehmen. Schulen müssten ein sicherer Raum bleiben.

„Diese Maßnahmen verursachen unnötige Angst, Verwirrung und Traumata“, sagte Carvalho.
„Kinder verdienen Schutz – nicht Angst in der Schule oder Trennung von ihren Familien.“


Fazit: Schulen als Zufluchtsort unter Druck

Inmitten wachsender Spannungen zwischen Bundes- und Landesregierung bleibt der Schulbezirk von Los Angeles ein Symbol für den gesellschaftlichen Konflikt um Immigration, Staatsgewalt und Menschenwürde – und eine Bühne für Eltern, Kinder und Lehrkräfte, die trotz Angst ihre Stimme erheben.


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