Immer mehr amerikanische Arbeitgeber übernehmen die Kosten für neuartige Abnehm-Medikamente – und stehen nun vor massiven finanziellen Problemen. Laut einer aktuellen Studie der Kaiser Family Foundation (KFF) bieten inzwischen 43 % der Großunternehmen mit über 5.000 Beschäftigten ihren Mitarbeitern eine Kostenübernahme für sogenannte GLP-1-Präparate wie Wegovy an. Im Vorjahr waren es erst 28 %.
Doch der Trend hat seinen Preis: Die stark nachgefragten Medikamente treiben die Gesundheitskosten vieler Unternehmen in ungeahnte Höhen.
Hohe Nachfrage, hohe Kosten
GLP-1-Wirkstoffe wie Wegovy oder Ozempic wurden ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt, helfen aber auch effektiv beim Gewichtsverlust. Der Listenpreis liegt bei etwa 1.350 US-Dollar pro Monat, was viele Arbeitgeber bislang abschreckte.
Während Mittelständler nur selten diese Leistungen anbieten (bei Firmen mit 200–999 Mitarbeitern liegt die Quote bei 16 %), sehen Großunternehmen darin einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um Fachkräfte. Fast die Hälfte der Firmen, die die Medikamente nicht übernehmen, bezeichnet das Angebot dennoch als „wichtig“ für die Zufriedenheit der Belegschaft.
Insgesamt wären laut KFF über 36 Millionen Beschäftigte mit Firmenversicherung medizinisch für ein solches Medikament qualifiziert – ein potenzielles Kostenrisiko in Milliardenhöhe.
„Große Arbeitgeber wissen, dass diese neuen, teuren Medikamente beliebt sind – aber ihre Kosten übersteigen oft alle Erwartungen“, sagte Gary Claxton, Vizepräsident der KFF.
Unternehmen schlagen Alarm
Fast 60 % der befragten Großunternehmen berichteten, dass die Nutzung der Abnehm-Medikamente deutlich höher ausfällt als prognostiziert. Zwei Drittel erklärten, die Auswirkungen auf ihre Arzneimittelausgaben seien „signifikant“.
Ein Konzern teilte der KFF mit, dass GLP-1-Medikamente in diesem Jahr den größten Kostenposten im Medikamentenbudget darstellen – im Jahr zuvor lagen sie noch auf Platz 32. Ein anderer Arbeitgeber berichtete:
„Bevor wir uns versahen, hatten wir eine halbe Million Dollar ausgegeben – nächstes Jahr wird es voraussichtlich 1,2 Millionen.“
Einige Unternehmen haben deshalb bereits reagiert:
- Nur Mitarbeiter mit besonders hohem BMI sollen Anspruch erhalten.
- Andere verlangen eine begleitende Teilnahme an Ernährungs- und Coaching-Programmen.
- Manche Firmen streichen die Leistung vollständig.
Langfristig könnten jedoch sinkende Preise oder neue Zulassungen den Druck erhöhen, die Medikamente wieder ins Angebot zu nehmen.
Trump sorgt für Verwirrung
Für Aufsehen sorgte jüngst Präsident Donald Trump, der angekündigt hatte, die Medikamente würden „bald für 150 Dollar verfügbar“ sein. Der Leiter der staatlichen Gesundheitsbehörde CMS, Mehmet Oz, widersprach und erklärte, Preisverhandlungen liefen noch.
Beitrag zu steigenden Versicherungsprämien
Die teuren Medikamente schlagen sich auch in den Versicherungsprämien nieder. Laut KFF stiegen die durchschnittlichen Gesundheitskosten pro Familie 2025 um 6 % auf 27.000 US-Dollar. Beschäftigte tragen davon im Schnitt 6.850 Dollar, den Rest übernehmen die Arbeitgeber.
Auch für Einzelversicherte stiegen die Kosten auf durchschnittlich 9.300 Dollar (+5 %).
Für 2026 rechnen Experten mit einem weiteren Anstieg – getrieben durch GLP-1-Kosten, höhere Krankenhauspreise und neue Importzölle.
„Es läutet ein stiller Alarm“, warnte Drew Altman, CEO der KFF.
„Den Arbeitgebern fehlen Strategien, um diese Kostentreiber zu dämpfen. Am Ende zahlen wieder die Beschäftigten – durch höhere Eigenanteile und Selbstbehalte.“
Fazit:
Was als Gesundheits- und Motivationsbonus begann, entwickelt sich für viele Unternehmen zum finanziellen Risiko. Medikamente wie Wegovy sind ein medizinischer Fortschritt – aber auch ein Haushaltsproblem für Arbeitgeber, Krankenkassen und letztlich die gesamte US-Gesundheitsökonomie.
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