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„99 Cent sind zu billig“: Milchbauern protestieren mit Treckern gegen Butterpreise von Lidl

congerdesign (CC0), Pixabay
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Mit einer Mahnwache und schweren Treckern machen Milchbauern aus Schleswig-Holstein gegen aus ihrer Sicht ruinöse Preise im Lebensmitteleinzelhandel mobil. Seit Sonntagabend protestieren sie vor dem Lidl-Zentrallager in Wasbek gegen die Preissenkung von Butter auf 99 Cent. Initiiert wurde der Protest vom Verein „Land schafft Verbindung“, der seit Jahren auf die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft aufmerksam macht.

Mahnwache als Signal an Handel und Politik

Rund 100 Milchbauern beteiligten sich zu Beginn an der Aktion und errichteten vor dem Zentrallager eine auf drei Tage angesetzte Mahnwache. Mit dem Protest wollen sie ein deutliches Zeichen setzen: Preise im Handel, die unter starkem Wettbewerbsdruck zustande kommen, würden die wirtschaftliche Situation vieler Milchviehbetriebe weiter verschärfen.

Die Landwirte argumentieren, dass eine Butter für 99 Cent zwar für Verbraucher attraktiv sei, auf der anderen Seite jedoch den Preisdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette erhöhe – bis hin zu den Erzeugerpreisen für Milch. Viele Betriebe könnten unter diesen Bedingungen langfristig nicht kostendeckend arbeiten.

Kritik an Preispolitik des Discounters

Nach Auffassung der protestierenden Bauern sendet die Preissenkung ein falsches Signal. Sie befürchten, dass niedrige Butterpreise als Lockangebot genutzt werden, während die tatsächlichen Produktionskosten – etwa für Energie, Futter, Tierwohlauflagen und Arbeit – kaum berücksichtigt würden. Der Preisverfall gefährde insbesondere kleinere und mittlere Familienbetriebe.

Lidl weist die Kritik zurück. Der Discounter verweist auf den gesunkenen Weltmarktpreis für Milch sowie auf ein Überangebot an Rohmilch. Molkereien hätten zuletzt mehr Milch angeliefert als im Vorjahreszeitraum, zudem sei der Fettgehalt gestiegen – Faktoren, die den Butterpreis derzeit drücken würden.

Gespräche angekündigt

Am Montagmorgen waren zunächst weniger Demonstrierende vor Ort, da viele Landwirte zwischenzeitlich auf ihre Höfe zurückkehrten, um Tiere zu versorgen. Vertreter von „Land schafft Verbindung“ rechnen jedoch damit, dass sich die Zahl der Protestierenden im Laufe des Tages wieder erhöht. Für den Vormittag sind zudem Gespräche mit Lidl angekündigt, bei denen die Bauern ihre Forderungen direkt vortragen wollen.

Keine Auswirkungen auf die Belieferung

Nach Angaben des Discounters hat der Protest bislang keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb. Die Filialen würden weiterhin regulär beliefert, alle Lkw hätten das Zentrallager ohne Einschränkungen verlassen können.

Butter so günstig wie lange nicht

Unabhängig vom Protest ist Butter in Deutschland derzeit so preiswert wie seit Jahren nicht mehr. Neben dem gesunkenen Milchpreis auf dem Weltmarkt tragen auch die gestiegene Rohmilchmenge und der höhere Fettgehalt zur Entspannung auf der Angebotsseite bei. Für viele Landwirte ist diese Entwicklung jedoch ein zweischneidiges Schwert: Sinkende Preise im Handel kommen nicht automatisch bei den Erzeugern an.

Fazit:
Der Protest vor dem Lidl-Lager steht stellvertretend für einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel. Während Verbraucher von niedrigen Preisen profitieren, sehen viele Milchbauern ihre Existenz bedroht – und fordern faire Preise, die die tatsächlichen Produktionskosten widerspiegeln. Ob die Gespräche mit Lidl zu konkreten Ergebnissen führen, bleibt abzuwarten.

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