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80 Jahre nach dem ersten Atomtest: Betroffene in New Mexico erhalten erstmals Entschädigung

deeznutz1 (CC0), Pixabay
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Acht Jahrzehnte nach der Explosion der ersten Atombombe auf US-amerikanischem Boden sollen die gesundheitlich geschädigten Anwohner der Testregion endlich staatliche Entschädigungen erhalten. Eine Klausel im kürzlich verabschiedeten Steuerpaket der Republikaner sieht eine Ausweitung des Entschädigungsprogramms für Strahlenopfer vor – erstmals auch für Menschen in New Mexico, die vom Fallout der Trinity-Explosion betroffen waren.

Der erste Atomtest und seine Folgen

Am 16. Juli 1945 detonierte die US-Armee nahe Alamogordo, im Jornada del Muerto-Wüstengebiet, im Rahmen des Manhattan-Projekts die weltweit erste Atombombe. Was als streng geheime militärische Erprobung begann, wurde für viele Familien in der Umgebung zur lebenslangen gesundheitlichen Belastung.

Radioaktiver Staub legte sich auf Häuser, Felder, Kleidung und Wasserquellen – ohne jede Warnung oder Evakuierung. Jahrzehntelang verweigerte die US-Regierung eine Anerkennung der gesundheitlichen Schäden für die sogenannten Downwinder.

„Alles war kontaminiert“

Menschen wie der damals 14-jährige Jess Gililland lebten mit den Spätfolgen – seine Tochter, Edna Kay Hinkle, berichtet, fast alle Familienmitglieder und Nachbarn seien an seltenen Krebsarten erkrankt. „Wir hatten kein Geld für die medizinische Versorgung“, so Hinkle, selbst mehrfach an Krebs erkrankt.

Auch Henry Herrera, zum Zeitpunkt des Tests 11 Jahre alt, schrieb später: „Der schwarze Ascheregen fiel auf unsere Stadt. Unsere Kleidung, unser Wasser, unser Essen – alles war kontaminiert.“

Ein interner Bericht des Armee-Physikers Stafford Warren wies bereits fünf Tage nach dem Test auf hohe Strahlenbelastung nahe bewohnter Gebiete hin. Dennoch gab es keine Evakuierung, stattdessen wurde die Explosion öffentlich als „Unfall mit Munition“ verharmlost. In den Wochen nach dem Test stiegen die Säuglingssterblichkeit in Roswell laut späteren Daten um 38 %.

Endlich Anerkennung – aber mit Zeitdruck

Das Radiation Exposure Compensation Act (RECA) wurde 1990 eingeführt, galt aber bislang nur für Betroffene in bestimmten Regionen von Nevada, Utah und Arizona. Die neue Regelung erweitert die Ansprüche auf New Mexico, Idaho und weitere Bundesstaaten, darunter auch indigene Gemeinschaften wie die Navajo Nation, auf deren Land jahrzehntelang Uran abgebaut wurde – teils ohne Schutzmaßnahmen.

Tina Cordova, Mitgründerin des Tularosa Basin Downwinders Consortium, schätzt, dass allein in ihrer Region über 10.000 Menschen betroffen sind. Ihre eigene Familie sei über fünf Generationen hinweg von Krebs betroffen gewesen. „Wir beerdigen einen – und der nächste bekommt die Diagnose“, sagt sie. „Es hört einfach nicht auf.“

Zweifel und Kritik

Trotz des Durchbruchs bleiben Kritikpunkte: Das Gesetz ist zeitlich auf zwei Jahre begrenzt – viele befürchten, nicht rechtzeitig Anträge stellen zu können. Zudem bleiben Regionen wie Teile von Nevada, Colorado, Montana, Pennsylvania und Guam weiterhin ausgeschlossen.

Auch bleibt die Debatte über die langfristigen genetischen Folgen offen. Während das National Cancer Institute 2020 keine eindeutigen Hinweise auf transgenerationale Effekte fand, sehen viele Familien die Häufung von Krebs und seltenen Krankheiten als klaren Beweis einer radioaktiven Erblast.

„Unsere Körper tragen noch immer die Spuren der Trinity-Bombe“, so Cordova.

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