Startseite Allgemeines 386 Millionen Euro später: SENEC sucht Käufer – aber bitte mit Vision
Allgemeines

386 Millionen Euro später: SENEC sucht Käufer – aber bitte mit Vision

qimono (CC0), Pixabay
Teilen

386 Millionen Euro Verlust.
100.000 ausgetauschte Speicher.
Mehrere brennende Keller.

Und jetzt? Jetzt riecht es im neuen Firmensitz nach frischer Farbe.

Willkommen bei SENEC – dem Leipziger Energiespeicher-Spezialisten im kreativen Neustart-Modus. Während draußen der Markt tobt und chinesische Anbieter lässig Marktanteile einsammeln, setzt man im „Cube 360“ auf tropische Pflanzen, kobaltblaue Sitzstufen und das Prinzip Hoffnung.

360 Grad Rundumblick – vermutlich, um die Rauchentwicklung künftig früher zu sehen.

Vom Vorzeige-Start-up zum Feldversuch im Industriemaßstab

Der Absturz begann 2022 mit einem PR-Feuerwerk der anderen Art: brennende Speicher, eine Explosion nahe Ravensburg, ferngesteuerte Abschaltungen im großen Stil. Wer einen SENEC-Speicher hatte, bekam plötzlich digitale Diät verordnet.

Doch damit nicht genug. Die technische Lösung lautete: Wir tauschen einfach 100.000 Geräte komplett aus.
Kostenpunkt? 386 Millionen Euro.

Das ist kein Rückruf mehr – das ist eine volkswirtschaftliche Lehrveranstaltung.

Herbert Schein: Der Mann fürs Grobe

Seit knapp einem Jahr steht Herbert Schein an der Spitze. Früher Varta, jetzt Sanierer im Großformat. Kaum da, schon 100 Stellen weniger, Führungsebenen gestutzt, Struktur neu sortiert.

„Die Restrukturierung ist abgeschlossen“, sagt er.

Was beruhigend klingt. So ähnlich wie „Das Feuer ist unter Kontrolle“.

Und jetzt bitte ein Käufer

Während man intern vom Comeback träumt, sucht Mutterkonzern EnBW einen Käufer. Offiziell wegen des größten Investitionsprogramms der Unternehmensgeschichte. 50 Milliarden Euro bis 2030 – da muss man sich eben fokussieren.

Oder anders gesagt: Wer möchte ein ambitioniertes Energiespeicherunternehmen mit bewegter Vergangenheit übernehmen?

Schein bleibt entspannt. Investor? Möglich. EnBW bleibt? Auch möglich.
Also quasi: Alles ist möglich, außer Langeweile.

Vom Speicherbauer zum Energiemanager – klingt bekannt

Die neue Vision: SENEC will nicht mehr nur Speicher bauen, sondern „Energielösungen“ liefern. Ganzheitlich. Intelligent. Vernetzt. Mit PowerPilot, Wärmepumpe, Wallbox und allem, was das Förderherz begehrt.

Wer sich in der deutschen Energiebranche ein wenig auskennt, fühlt sich hier dezent erinnert.

Denn genau diese „360-Grad-Energiezukunft“ kennen wir bereits aus anderen ambitionierten Konstruktionen:
Energie Konzepte Deutschland.
Die Deutschen Wärmepumpenwerke.
Und Namen wie Mathias Hammer, der in genau diesem Ökosystem ebenfalls eine Rolle spielte.

Visionen sind schließlich das neue Geschäftsmodell.

2030 Marktführer. Natürlich.

„2030 wollen wir führender europäischer Anbieter für Energielösungen sein“, sagt Schein.

Das ist mutig. Vor allem nach einem 386-Millionen-Euro-Tiefschlag. Aber Optimismus gehört zur Grundausstattung der Branche.

Man muss groß denken.
Sonst wird man nur normal insolvent.

China liefert. Deutschland plant.

Während SENEC umbaut, umstrukturiert, restrukturiert und Investoren sucht, liefern chinesische Anbieter wie BYD einfach weiter – günstiger, skalierter, ruhiger.

Wo früher 20 Prozent Marktanteil standen, stehen heute Container aus Shenzhen.

Aber hey: Der „Cube 360“ sieht hervorragend aus.

Fazit: Neustart mit Ansage

SENEC ist nicht tot.
SENEC ist im Comeback-Modus.
Mit Vision.
Mit Investorensuche.
Mit europäischem Marktführer-Ziel.

Und mit einer Vergangenheit, die man in Leipzig vermutlich lieber im Keller einsperrt – hoffentlich diesmal ohne thermische Ereignisse.

Ob das große Energie-Märchen noch ein Happy End bekommt?

Die Halle ist frisch gestrichen.
Jetzt braucht es nur noch jemanden, der den Scheck unterschreibt.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Enttäuschte Kunden bei der Deutsche Wärmepumpen Werke GmbH – Worum geht es bei der Kritik?

In sozialen Netzwerken und Bewertungsportalen mehren sich kritische Stimmen zur Deutsche Wärmepumpen...

Allgemeines

Zahlreiche Unternehmensinsolvenzen Anfang März – Breite Branchen betroffen

Zum Monatswechsel sind bundesweit zahlreiche neue Insolvenzverfahren gegen Unternehmen bekannt geworden. Die...

Allgemeines

Insolvenz: der im Handelsregister des Amtsgerichts Gütersloh unter HRB 5962 eingetragenen Birkenstock GmbH

Amtsgericht Bielefeld, Aktenzeichen: 43 IN 95/26 In dem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen...

Allgemeines

Deepfake-Angriffe: „Viele Menschen hätten betrogen werden können“

Anfang dieses Jahres tauchte in sozialen Netzwerken in Indien ein Video auf,...