Startseite Allgemeines 200 Anzeigen wegen falscher Rabatte: Wiener Marktamt deckt massive Mängel in Supermärkten auf
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200 Anzeigen wegen falscher Rabatte: Wiener Marktamt deckt massive Mängel in Supermärkten auf

tookapic (CC0), Pixabay
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In Wien geraten die großen Supermarktketten unter Druck: Das Marktamt hat im September fast 200 Anzeigen wegen fehlerhafter Preisauszeichnung erstattet. Beanstandet wurden falsche Grundpreise, unrichtige Mengenangaben und fehlende Rabattkennzeichnungen. Besonders im Visier: die vier größten Handelsketten Spar, REWE, Hofer und Lidl.

Seit Jahresbeginn hat das Marktamt bereits 502 Strafanträge nach 1.215 Kontrollen gestellt. „Je schlechter ein Betrieb bei der Kontrolle abschneidet, desto häufiger führen wir Nachkontrollen durch“, erklärte Marktamtsdirektor Andreas Kutheil.

Allein bei den großen Supermarktketten wurden 270 Kontrollen durchgeführt – 198 davon führten zu Anzeigen. „Die Preisauszeichnung bei den großen Playern im Supermarktbereich wird derzeit bei Weitem nicht eingehalten“, sagte Alexander Hengl, Sprecher des Wiener Marktamts, im Ö1-Morgenjournal.

Verstöße reichen von falschen Preisen bis fehlenden Angaben

Bei den Kontrollen stießen die Behörden auf zahlreiche Verstöße:

  • Von-bis-Preise ohne klare Zuordnung,

  • falsche Mengenangaben auf den Preisschildern,

  • fehlende Pflichtinformationen bei Aktionsware,

  • und Rabattwerbung ohne korrekte Grundpreisangaben.

„Preisauszeichnung ist kein Wunschkonzert, sondern gesetzlich geregelt“, betonte Kutheil. Wenn sich der Inhalt eines Produkts ändert oder ein Rabatt beworben wird, müsse das transparent und nachvollziehbar am Regal ausgewiesen werden. „Alles andere ist Täuschung.“

Kritik an zu niedrigen Strafen

Auch aus der Politik kommt deutliche Kritik. Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), Staatssekretärin für Konsumentenschutz, sprach von einem „groben Vergehen“:

„Aus meiner Sicht kann man hier nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Bei wiederholten Übertretungen müssen die Strafen deutlich erhöht werden.“

Derzeit liegt das Strafausmaß bei Verstößen gegen das Preisauszeichnungsgesetz bei maximal 1.450 Euro – ein Betrag, den viele Experten als abschreckungsarm bewerten.

Das Sozialministerium verweist darauf, dass laut WIFO die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak im Jahr 2025 um 3,8 Prozent gestiegen sind – und für 2026 ein weiterer Anstieg von 3,2 Prozent erwartet wird. Gleichzeitig hätten die großen Lebensmittelkonzerne ihre Gewinne im Vorjahr um rund 60 Prozent gesteigert.

Handelsverband wehrt sich gegen Betrugsvorwürfe

Der Handelsverband weist die Kritik zurück. Geschäftsführer Rainer Will erklärte im Ö1-Morgenjournal:

„Absichtlich passieren keine Fehler. Österreich hat die strengsten Vorschriften zur Preisauszeichnung in Europa. Da kann es vorkommen, dass nicht jede Regel auf Punkt und Beistrich umgesetzt wird. Getrickst und gegaukelt wird aber nicht.“

Fazit:

Das Wiener Marktamt zieht eine ernüchternde Zwischenbilanz seiner „Aktion scharf“: Fast jede zweite Kontrolle bei großen Supermärkten führt zu einer Anzeige. Während Konsumentenschützer härtere Strafen und mehr Transparenz fordern, versichert der Handel, man arbeite bereits an Verbesserungen.
Klar ist: Kundinnen und Kunden sollen wissen, was sie wirklich bezahlen – und das ist derzeit oft nicht der Fall.

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