Was klingt wie ein verpatzter Drehbuchentwurf für eine mittelmäßige Agentenserie, war offenbar bittere Realität: Ungarns Geheimdienste sollen jahrelang ein Spionagenetzwerk mitten im Herzen der EU betrieben haben – in Brüssel, wo sich bekanntlich alles trifft, was Rang, Namen und eine Akkreditierung beim Käsebuffet hat.
Das investigativ-patriotisch engagierte Onlineportal Direkt36 deckte gemeinsam mit „Der Standard“, „De Tijd“ und „Der Spiegel“ auf: Orbáns Männer für ganz geheime Fälle schnüffelten fleißig in den Fluren der EU-Institutionen – bis sie sich selbst auffliegen ließen. Grund: mangelhafte Spionagegrundausbildung und null Gespür für Tarnung.
Ein Informant meinte trocken: „Die wären schon an einer Runde Cluedo gescheitert.“
EU-Korridore als Spionageziel
Zwischen 2012 und 2018 sollen ungarische Geheimdienstler in der Ständigen Vertretung Ungarns versucht haben, andere Ungarn in EU-Institutionen anzuheuern – wahrscheinlich mit dem Versprechen auf kostenlose Tokajer-Weinproben und ein Diplom aus der Universität „Orbánistan für Fortgeschrittene“.
Besonders aktiv war die Truppe offenbar zu jener Zeit, als der heutige EU-Kommissar Oliver Varhelyi als Botschafter tätig war. Ein Schelm, wer da Zusammenhänge sieht – oder zumindest eine schlechte Personalabteilung.
Die Agenten versuchten laut Bericht, Informationen zu sammeln – wahrscheinlich über so brisante Themen wie: „Wie viele Croissants gibt’s beim nächsten Agrarrat?“ oder „Hat Frau von der Leyen ein Lieblingsdruckerpapier?“
Professionelle Inkompetenz
Wie der Plot einer Komödie verlief auch der Ablauf der Spionagetätigkeit: Nach dem Motto „Ups, wir wurden entdeckt!“ flog das Netzwerk auf – was möglicherweise daran lag, dass einer der Agenten sein Passwort auf einem Post-it am Monitor kleben hatte. Direkt36 berichtete, dass man daraufhin versuchte, das Netzwerk „neu aufzubauen“. Ob diesmal mit besserem WLAN und weniger PowerPoint-Präsentationen mit dem Titel „Geheim, bitte nicht weitersagen“, ist unklar.
Reaktionen: Empörung, Schweigen, Schuldumkehr deluxe
Die EU-Kommission zeigt sich „not amused“ und prüft den Vorfall intern – vermutlich mit dem neuen Formular „Geheimdienstskandal 4.0“. Ein Sprecher betonte, man werde weiterhin versuchen, Mitarbeiter und Kaffeemaschinen vor illegaler Informationsbeschaffung zu schützen.
Budapest hingegen weist sämtliche Vorwürfe zurück und spricht von einer „Verleumdungskampagne orchestriert von ausländischen Mächten“, wahlweise dem CIA, dem KGB oder einem besonders nervigen belgischen Hausmeister. Regierungssprecher Zoltan Kovacs twitterte sinngemäß: „Lüge, alles Lüge! Außerdem: Fake News! Und überhaupt: Wo ist unser Käse?“
Und sonst?
Direkt36 schickte Fragen an das ungarische Informationsamt (IH), das Außenministerium und den Chef von allem, Viktor Orbán, bekam aber nur betretenes Schweigen zurück. Auch die betroffenen Geheimdienstmitarbeiter antworteten nicht – was in diesem Fall vielleicht zum ersten Mal wirklich professionell war.
Fazit: Ungarische Spionage in Brüssel? Vielleicht. Aber wenn das Ganze mehr nach „Akte X – Praktikantenstaffel“ als nach James Bond klingt, bleibt nur noch eine Frage: Wird’s verfilmt? Und wenn ja – wer spielt den Puszta-Bond?
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