Die Weltschifffahrtsorganisation IMO warnt inzwischen eindringlich vor der Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Anlass sind neue Angriffe auf zivile Schiffe in der Region. Anders gesagt: Wer dort derzeit mit einem Tanker unterwegs ist, sollte nicht nur den Wetterbericht prüfen, sondern auch gleich die geopolitische Großwetterlage, den nächsten Militärschlag und den persönlichen Schutzengel.
IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez machte deutlich, dass Seeleute keiner unnötigen Gefahr ausgesetzt werden sollten, solange ihre Sicherheit nicht garantiert werden könne. Ein Satz, der eigentlich selbstverständlich klingen müsste — im Jahr 2026 aber offenbar schon fast revolutionär wirkt: Menschen sollen nicht beschossen werden, nur weil sie ihrer Arbeit nachgehen.
Die Angriffe auf mehrere Schiffe in den vergangenen Tagen verurteilte Dominguez scharf. Kein Seemann solle sein Leben riskieren müssen, nur um seinen Job zu machen. Das ist eine bemerkenswert nüchterne Feststellung in einer Lage, in der internationale Handelsrouten, Ölpreise, Militärkommandos und politische Drohgebärden wieder einmal so ineinandergreifen, als hätte jemand die Weltpolitik in einen Schleudergang gestellt.
Besonders dramatisch: Nach Angaben der IMO sitzen wegen der wochenlangen Blockade weiterhin fast 6.000 Seeleute in der Region fest. Während an Land über Abkommen, Gegenschläge und Deeskalation gesprochen wird, warten sie auf Schiffen darauf, dass die Mächtigen dieser Welt vielleicht kurz daran denken, dass zwischen Tanker, Handelsware und Strategiepapier auch noch Menschen existieren.
US-Präsident Donald Trump hatte eine Vereinbarung zwischen Washington und Teheran zuletzt für gescheitert erklärt. Danach griff das US-Militär als Reaktion auf Attacken gegen Tanker dutzende Ziele im Iran an. Seither wird wieder das gemacht, was in Krisen gern als „Stabilisierung“ verkauft wird: schießen, warnen, zurückschießen, noch einmal warnen — und anschließend alle Seiten zur Zurückhaltung aufrufen.
Die IMO fordert nun, die Lage sofort zu deeskalieren und Schiffen die Ausreise zu ermöglichen. Ein vernünftiger Appell. Bleibt nur die Frage, ob Vernunft in der Straße von Hormus derzeit überhaupt eine Durchfahrtsgenehmigung bekommt.
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