Eine bemerkenswerte politische Geschichte spielt sich derzeit in den Vereinigten Staaten ab. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth entließ eine hochrangige Marineoffizierin. Nun kandidiert diese ausgerechnet für den Kongress – und macht ihren ehemaligen Vorgesetzten zum zentralen Thema ihres Wahlkampfs.
Nancy Lacore hat 35 Jahre in der amerikanischen Marine gedient. Als Vizeadmiralin führte sie zuletzt die Reserve der US Navy. Im vergangenen Jahr wurde sie auf Entscheidung von Verteidigungsminister Pete Hegseth abgesetzt.
Eine konkrete Begründung für ihre Entlassung erhielt Lacore nach eigenen Angaben nicht.
Nun kandidiert sie für die Demokraten im ersten Kongresswahlbezirk von South Carolina. Dort trifft sie bei den Zwischenwahlen am 3. November 2026 auf die Republikanerin Jenny Honeycutt.
Aus der Militärkarriere wird eine politische Auseinandersetzung
Lacore gehörte zu einer größeren Gruppe hochrangiger Militärangehöriger, die unter Hegseth ihre Positionen verloren oder vorzeitig in den Ruhestand gingen.
Kritiker werfen dem Verteidigungsminister vor, die Führung der Streitkräfte zunehmend nach politischen Gesichtspunkten umzubauen. Besonders die Entlassung weiblicher und schwarzer Führungskräfte steht dabei in der öffentlichen Diskussion.
Das Pentagon weist solche Vorwürfe zurück und betont, die militärische Einsatzfähigkeit stehe im Mittelpunkt seiner Entscheidungen.
Der Iran-Krieg wird zum Wahlkampfthema
Zusätzlich belastet der Krieg gegen den Iran die amerikanische Innenpolitik.
Hegseth steht wegen seiner Rolle bei der militärischen Auseinandersetzung unter erheblichem Druck. Kritisiert werden insbesondere die wirtschaftlichen Folgen, steigende Treibstoffpreise und die Frage, ob die Regierung ihre verfassungsrechtlichen Befugnisse überschritten hat.
Am 15. September leitete ausgerechnet der republikanische Abgeordnete Thomas Massie einen Vorstoß für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Hegseth ein.
Massie wirft dem Verteidigungsminister vor, militärische Operationen ohne ausreichende Zustimmung des Kongresses fortgesetzt zu haben.
Eine gerichtliche Feststellung entsprechender Rechtsverstöße ist damit nicht verbunden.
Ein republikanischer Wahlkreis wird plötzlich umkämpft
Besonders interessant ist die Entwicklung in South Carolina.
Der erste Wahlbezirk galt lange als vergleichsweise sichere Hochburg der Republikaner. Donald Trump gewann dort bei der Präsidentschaftswahl 2024 mit einem Vorsprung von rund 13 Prozentpunkten.
Nun deuten Umfragen auf ein enges Rennen zwischen Lacore und Honeycutt hin.
Die frühere Admiralität und ihre militärische Erfahrung verschaffen Lacore besondere Glaubwürdigkeit bei Veteranen. Ob dies für einen Wahlerfolg ausreicht, werden die Wähler entscheiden.
Droht Hegseth ein Amtsenthebungsverfahren?
Sollten die Demokraten bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen, könnten parlamentarische Untersuchungen gegen Hegseth ausgeweitet werden.
Allerdings stammt der bisherige förmliche Vorstoß zur Amtsenthebung von einem Republikaner.
Präsident Donald Trump verteidigt seinen Verteidigungsminister weiterhin ausdrücklich und bezeichnet dessen Arbeit als ausgezeichnet.
Eine Personalentscheidung mit politischen Folgen
Die Geschichte von Nancy Lacore zeigt, welche unerwarteten Konsequenzen politische Personalentscheidungen haben können.
Eine Offizierin, deren Militärkarriere nach 35 Jahren beendet wurde, sucht nun ein Mandat in jenem Parlament, das die Regierung und ihre Militärpolitik kontrollieren soll.
Sollte Lacore in den Kongress einziehen, könnte aus einer umstrittenen Entlassung eine dauerhafte politische Auseinandersetzung zwischen ihr und Hegseth werden.
Die Ironie dieser Geschichte: Ausgerechnet der Verteidigungsminister, der Nancy Lacore aus einer militärischen Führungsposition entfernte, könnte damit unbeabsichtigt den Ausgangspunkt für ihre politische Karriere geschaffen haben.
Ob die Wähler von South Carolina diese Entwicklung tatsächlich mit einem Kongressmandat belohnen, entscheidet sich am 3. November.
Kommentar hinterlassen