Donald Trump hatte es groß angekündigt: Nach dem Zugriff auf Venezuelas Machtapparat und dem politischen Umbruch in Caracas sollten die gewaltigen Ölreserven des südamerikanischen Landes wieder für die USA nutzbar gemacht werden. Nun wird tatsächlich wieder venezolanisches Rohöl in amerikanischen Raffinerien verarbeitet. Doch wer in den USA auf sinkende Spritpreise gehofft hatte, muss sich vorerst weiter gedulden.
Vor der Küste von Mississippi liegt derzeit ein sichtbares Symbol dieser neuen Energiepolitik: Der Tanker „Minerva Gloria“ brachte rund 400.000 Barrel venezolanisches Rohöl in die USA – ein Vorgang, der vor wenigen Monaten wegen der Sanktionen noch undenkbar gewesen wäre.
Chevron setzt auf schweres venezolanisches Öl
Besonders profitiert davon der US-Energieriese Chevron. In der Raffinerie im Ort Pascagoula, Mississippi, der größten Chevron-Anlage in den USA, wird das venezolanische Rohöl nun direkt verarbeitet. Das ist kein Zufall, denn die Anlage wurde genau für solche Sorten gebaut.
Venezolanisches Öl gilt als besonders schwer, zäh, schwefelhaltig und damit aufwendiger in der Verarbeitung. Gerade deshalb ist es im Einkauf günstiger – und für Raffinerien, die technisch darauf ausgelegt sind, hochinteressant.
Chevron-Manager Tim Potter bringt es auf den Punkt: Die Raffinerie sei bewusst für schweres Rohöl wie jenes aus Venezuela konzipiert worden. Für Chevron sei das daher ein echter Vorteil.
Der Konzern importiert nach eigenen Angaben aktuell im Schnitt rund 250.000 Barrel venezolanisches Rohöl pro Tag und will diese Menge möglicherweise auf 350.000 bis 400.000 Barrel täglich steigern.
Trump verkauft das als strategischen Triumph
Für Trump passt das perfekt ins politische Narrativ: Die USA seien nicht auf den Nahen Osten angewiesen, so der Präsident. Schon in einer Ansprache hatte er betont, dass die Vereinigten Staaten kaum noch Öl durch die Straße von Hormus beziehen und künftig noch unabhängiger werden wollen.
Das klingt nach energiepolitischer Stärke – und in Teilen stimmt es auch. Denn die USA importieren tatsächlich nur noch einen kleinen Teil ihres Öls aus dem Nahen Osten. Gleichzeitig laufen rund 70 Prozent der US-Raffineriekapazitäten am effizientesten mit schwerem Rohöl, wie es Venezuela liefert.
Mit anderen Worten:
Venezolanisches Öl ist für viele US-Raffinerien technisch deutlich attraktiver als leichteres Öl aus anderen Regionen.
Der große Haken: An der Zapfsäule merkt man davon fast nichts
Und genau hier beginnt die Ernüchterung.
Denn obwohl in Mississippi nun wieder venezolanisches Öl verarbeitet wird, steigen die Benzinpreise an vielen Zapfsäulen weiter. Die Menschen vor Ort merken von Trumps Energie-Comeback bislang wenig.
Ein Veteran in Mississippi bringt die Frustration auf den Punkt: Die Preise müssten endlich runter, sagt er – sonst gehe er finanziell mit ihnen unter. Eine andere Autofahrerin berichtet, sie fahre inzwischen weniger und spare an anderer Stelle, selbst Besuche bei den Enkeln würden seltener, weil Sprit schlicht zu teuer geworden sei.
Das Problem ist simpel – und politisch unbequem:
Auch wenn die USA mehr eigenes oder regional verfügbares Öl nutzen, bleiben sie Teil des globalen Ölmarktes.
Der Krieg mit dem Iran und die Spannungen rund um die Straße von Hormus haben die Weltmarktpreise für Rohöl nach oben getrieben. Und genau diese Preise schlagen sich letztlich auch in den USA nieder.
Chevron räumt das selbst ein: Zwar sei das Rohöl physisch verfügbar, aber der Preis dafür orientiere sich trotzdem am Weltmarkt. Heißt übersetzt:
Nur weil das Öl aus Venezuela kommt, wird es nicht automatisch billig.
Mehr Angebot – aber der Iran-Krieg frisst den Effekt auf
Chevron bleibt dennoch optimistisch. Sobald sich die Lage am Weltmarkt wieder beruhigt, könne das zusätzliche Angebot aus Venezuela durchaus für Entlastung sorgen. Derzeit werde dieser Effekt allerdings durch den Iran-Konflikt schlicht überlagert.
Das ist der zentrale Punkt:
- Mehr Öl aus Venezuela kann langfristig helfen,
- mehr Versorgungssicherheit kann Preisdruck mindern,
- aber kurzfristig gilt: Geopolitik schlägt Raffinerielogik.
Solange die Weltmärkte wegen Krieg, Blockaden und Unsicherheit nervös bleiben, wird auch mehr venezolanisches Öl in Mississippi nicht automatisch zum billigen Tanken in Amerika führen.
DieBewertung meint
Trump kann sich feiern lassen, weil venezolanisches Öl wieder in US-Raffinerien landet – und strategisch ist das tatsächlich ein Erfolg. Chevron bekommt genau die Sorte Rohöl, die viele amerikanische Anlagen lieben: schwer, schmutzig, billig im Einkauf und technisch bestens verwertbar. Das Problem ist nur: An der Zapfsäule interessiert sich niemand für geopolitische Erfolgsmeldungen, wenn der Liter trotzdem teuer bleibt. Genau dort scheitert derzeit die große Trump-Erzählung. Mehr Öl aus Venezuela klingt nach Entlastung, aber solange der Weltmarkt wegen Iran, Hormus und globaler Unsicherheit verrücktspielt, bleibt das Ganze vorerst vor allem eines: ein schöner PR-Sieg – mit überschaubarem Nutzen für den normalen Autofahrer.
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