Nach monatelanger Pause haben Kanada und die USA ihre Handelsgespräche wieder aufgenommen. Der kanadische Minister für den Handel mit den USA, Dominic LeBlanc, traf am Freitag in Washington mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer zusammen. Es handelt sich um das erste hochrangige Treffen zwischen beiden Ländern seit dem Abbruch der Verhandlungen im vergangenen Jahr.
Im Mittelpunkt der Gespräche steht das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA (United States–Mexico–Canada Agreement), das in diesem Jahr einer verpflichtenden Überprüfung unterzogen werden muss. Das Abkommen regelt den Handel zwischen den drei Ländern und bildet die Grundlage für große Teile des nordamerikanischen Wirtschaftsraums.
Die Verhandlungen waren im Oktober ins Stocken geraten, nachdem US-Präsident Donald Trump die Gespräche ausgesetzt hatte. Auslöser war eine Anti-Zoll-Werbekampagne der kanadischen Provinz Ontario, die sich gegen US-Handelsmaßnahmen richtete.
Trump hatte seither mehrfach angedeutet, das Abkommen ganz aufkündigen oder stattdessen separate Handelsabkommen mit Kanada und Mexiko abschließen zu wollen. Beide Länder haben jedoch deutlich gemacht, dass sie das bestehende Freihandelsabkommen beibehalten möchten.
Kanadas Premierminister Mark Carney äußerte zuletzt große Sorge über die Zukunft der Handelsbeziehungen zu den USA. Er warnte vor den Folgen eines geschwächten oder vollständig aufgegebenen Abkommens. Durch Maßnahmen der USA sei das Abkommen kurzfristig bereits „praktisch beschädigt“ worden, sagte Carney.
Zwar hat das USMCA bisher einen Großteil des Handels zwischen beiden Ländern vor umfassenden Zöllen geschützt. Dennoch gelten weiterhin branchenspezifische Strafzölle, etwa auf Stahl, Aluminium und Autos aus Kanada. Diese Maßnahmen belasten vor allem die kanadische Autoindustrie in der Provinz Ontario und haben bereits zu tausenden Jobverlusten geführt.
Auch künftig könnten bestimmte Zölle bestehen bleiben. Vertreter beider Regierungen haben zuletzt angedeutet, dass grundlegende Handelsabgaben selbst nach der Überprüfung des Abkommens wahrscheinlich nicht vollständig verschwinden werden.
Parallel zu den Gesprächen mit den USA versucht Kanada, seine Handelsbeziehungen stärker zu diversifizieren. Premierminister Carney beendete gerade eine Reise durch den Indopazifik, bei der er mit Indien, Australien und Japan über neue Wirtschafts- und Investitionspartnerschaften sprach.
In Tokio unterzeichnete er mit der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi ein strategisches Partnerschaftsabkommen, das die Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung, Energie und Technologie vertiefen soll.
Japan spielt auch für die kanadische Autoindustrie eine wichtige Rolle: Rund 70 Prozent der in Kanada produzierten Fahrzeuge stammen von japanischen Herstellern. Viele dieser Autos werden anschließend in die USA exportiert, was die enge wirtschaftliche Verflechtung der drei nordamerikanischen Staaten verdeutlicht.
Die Automobilindustrie gilt jedoch als besonders umstrittenes Thema in den Gesprächen. Vertreter der US-Regierung haben in der Vergangenheit gefordert, mehr Fahrzeugproduktion direkt in die USA zu verlagern.
Unter dem aktuellen Freihandelsabkommen entstehen Autos jedoch häufig über grenzüberschreitende Lieferketten. Einzelne Fahrzeugteile passieren dabei mehrfach die Grenzen zwischen den USA, Kanada und Mexiko, bevor das fertige Fahrzeug verkauft wird.
Kanada exportierte lange Zeit rund 75 Prozent seiner Waren in die USA. Dieser Anteil ist zuletzt gesunken und lag im Oktober noch bei 67,3 Prozent. Carney hatte im vergangenen Jahr angekündigt, die wirtschaftliche Abhängigkeit seines Landes von den USA zu reduzieren, da Washington aus kanadischer Sicht kein verlässlicher Handelspartner mehr sei.
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