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Schüsse auf offener Straße, Geiselnahme im Supermarkt: Mindestens sechs Tote in Kyjiw

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Kyjiw (Kiew) steht nach einem seltenen Gewaltverbrechen unter Schock: In der ukrainischen Hauptstadt hat ein bewaffneter Mann am Samstag im Stadtbezirk Holosiivskyi zunächst auf Passanten geschossen und sich anschließend in einem Supermarkt verschanzt, wo er Geiseln nahm. Nach Angaben der Behörden starben mindestens sechs Menschen, zudem wurden zahlreiche weitere verletzt.

Nach Darstellung der Generalstaatsanwaltschaft eröffnete der Täter am helllichten Tag auf einer Straße das Feuer und tötete dabei mehrere Menschen. Danach verschanzte er sich in einem Velmart-Supermarkt in der Nähe und hielt dort Kunden oder Mitarbeitende fest. In dem Geschäft soll er mindestens eine weitere Person erschossen haben. Insgesamt erlag ein weiteres Opfer später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Die Zahl der Verletzten wurde in ersten Berichten unterschiedlich beziffert. Der Kyjiwer Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von insgesamt 15 Verletzten; demnach wurden mehrere Personen vor Ort medizinisch versorgt, während andere in Krankenhäuser gebracht wurden. Internationale Medien meldeten „mindestens 14“ Verletzte. Unter den Betroffenen soll sich auch ein zwölfjähriger Junge befinden; Reuters berichtete, dass seine Eltern zu den Todesopfern zählen.

Der mutmaßliche Schütze wurde als 58-jähriger Mann identifiziert, der in Moskau geboren wurde. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, der Mann habe längere Zeit in der ostukrainischen Region Donezk gelebt und sei vorbestraft. Die Ermittler versuchen nun zu klären, ob er allein handelte, welche Kontakte er hatte und was sein Motiv war. Die Behörden führen das Verfahren als mutmaßlichen „terroristischen Akt“.

Vor dem Zugriff der Polizei kam es zu einer angespannten, rund 40-minütigen Lage im Supermarkt. Eine Verhandlerin schilderte gegenüber Reuters, der Mann habe in dieser Zeit nicht reagiert. Als die Kommunikation scheiterte, stürmten Spezialeinheiten das Gebäude. Der Täter schoss demnach auch auf Polizisten und wurde schließlich getötet. Selenskyj zufolge konnten vier Geiseln lebend gerettet werden.

Zusätzliche Fragen wirft ein weiterer Vorfall auf: Nahezu zeitgleich soll die Wohnung, in der der Mann gemeldet war, in Brand geraten sein. Unklar blieb zunächst, ob der Täter das Feuer selbst legte und ob es in direktem Zusammenhang mit der Tat steht. Die Ermittlungen laufen, ebenso die Auswertung möglicher Spuren und digitaler Geräte.

Massenschießereien sind in der Ukraine trotz der vielen Waffen im Land vergleichsweise selten. Umso größer ist die Verunsicherung – in einer Stadt, die seit Jahren mit den Folgen des russischen Angriffskriegs und regelmäßigen Luftalarmen lebt.

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