Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) hat die neue Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 präsentiert – und die Botschaft klingt erst einmal wie aus dem Regierungsprospekt:
„Sachsen ist ein gutes Stück sicherer geworden.“
Na wunderbar.
Dann können wir ja alle beruhigt schlafen.
Zumindest solange wir nicht im Internet unterwegs sind, nicht Opfer eines Betrugs werden, nicht von Jugendlichen zusammengeschlagen werden, nicht im Fokus von Intensivtätern stehen und uns nicht für politische Gewalt interessieren.
Denn ja: Die Gesamtzahl der Straftaten ist tatsächlich gesunken.
Minus 2,6 Prozent, die Kriminalitätsrate fällt, Diebstähle aus Autos gehen zurück, Straßenkriminalität sinkt, Rauschgiftdelikte ebenfalls.
Auf dem Papier sieht das fast so aus, als hätte Sachsen plötzlich die Schweiz entdeckt – nur mit weniger Bergen und mehr Pressekonferenzen.
Aber wie immer gilt bei Statistiken:
Wenn die Politik zu früh jubelt, sollte man besser ins Kleingedruckte schauen.
Und dort wird’s unerquicklich.
Tatort Internet: Willkommen im digitalen Selbstbedienungsladen
Während klassische Delikte sinken, explodiert ein Bereich geradezu: Betrug im Internet.
Die Schadenssummen steigen massiv:
- +76 Prozent bei Inlandstaten
- +64 Prozent bei Auslandstaten
In Zahlen heißt das:
über 118 Millionen Euro Schaden im Inland und rund 73 Millionen Euro bei Auslandstaten.
Mit anderen Worten:
Der klassische Taschendieb ist fast schon nostalgisch.
Heute sitzt der Täter nicht mehr im Parkhaus, sondern irgendwo mit Laptop, VPN und einer besseren Rendite als mancher Fondsmanager.
Die Polizei sagt selbst:
Kriminalität verlagert sich ins Netz – und oft gleich ins Ausland.
Klassische Streife, Blaulicht und „einmal Ausweis bitte“ helfen da nur begrenzt.
Deshalb fordert Innenminister Schuster jetzt mehr Befugnisse, automatisierte Datenanalyse und KI.
Also:
Wenn der Staat jahrelang digital geschlafen hat, soll jetzt künstliche Intelligenz retten, was analog längst nicht mehr zu greifen ist.
Klingt modern. Klingt dringend. Klingt auch ein bisschen nach: Wir haben da was verpasst.
Jünger, härter, skrupelloser: Die Gewalt wird zum Jugendtrend
Besonders unerquicklich wird es bei der Gewaltkriminalität.
2025 wurden 7.520 Fälle registriert – also mehr als im Vorjahr.
Vor allem aber steigt der Anteil von Kindern und Jugendlichen unter den Tatverdächtigen massiv:
- 2016: 13 Prozent
- 2025: 24 Prozent
Fast verdoppelt.
Mehr als 2.000 tatverdächtige Kinder und Jugendliche – und das ist nicht einfach nur eine Zahl, das ist ein gesellschaftlicher Offenbarungseid.
Denn wenn Minderjährige nicht nur randalieren, sondern Gewalt organisieren, verabreden oder laut Behörden sogar über soziale Netzwerke „buchen“, dann reden wir nicht mehr über dumme Streiche oder pubertäre Entgleisungen.
Dann reden wir über eine Generation, die TikTok offenbar nicht nur für Tänze, sondern teils auch für Übergriffe nutzt.
Früher hieß es:
„Treffpunkt nach der Schule.“
Heute offenbar:
„Schick Standort, bring zwei Leute mit und film mit.“
Und da darf man schon fragen:
Was ist in diesem Land eigentlich schiefgelaufen, wenn Gewalt inzwischen wie ein Event organisiert wird?
Weniger Zuwandererkriminalität – aber bei den schweren Taten steigt’s trotzdem
Auch ein politisch heikler Punkt ist in den Zahlen enthalten:
Die Zahl der Straftaten durch Zuwanderer ist leicht gesunken.
- 2025: 16.095 Fälle
- 2024: 16.309 Fälle
Auch die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer ging zurück.
Soweit die nüchterne Statistik.
Aber auch hier gilt: Das Gesamtbild bleibt unerquicklich.
Denn bei den schweren Delikten steigen die Zahlen:
- Gewalt +5 Prozent
- Raub +8 Prozent
- Drogendelikte +13,5 Prozent
Und besonders pikant:
Eine kleine Gruppe von rund 1 Prozent Intensivtätern soll laut Behörden etwa die Hälfte der Straftaten verursachen.
Das ist eigentlich der eigentliche Skandal.
Nicht nur, dass immer dieselben auffallen – sondern dass der Staat seit Jahren wirkt, als sei diese Erkenntnis ungefähr so überraschend wie Schnee im Januar.
Wenn 1 Prozent die halbe Show veranstaltet, dann wäre vielleicht nicht die nächste Pressekonferenz nötig, sondern endlich eine Strategie, die diesen Namen verdient.
Rechts viel, links brutal – und der Staat kommentiert’s wie ein Wetterbericht
Auch bei der politisch motivierten Kriminalität sinken die Gesamtzahlen.
Aber auch hier: nur auf den ersten Blick.
Die Zahl der linken Gewaltdelikte bleibt hoch und ist sogar gestiegen:
- 2024: 100
- 2025: 140
Innenminister Schuster bringt es so auf den Punkt:
„Rechts ist ein quantitatives Problem, links ein qualitatives.“
Ein bemerkenswerter Satz.
Klingt fast wie:
Die einen machen mehr Mist, die anderen dafür handfester.
Kurzum:
Rechtsradikale Propaganda bleibt ein großes Problem, linke Gewalt ebenfalls – nur eben mit anderer Handschrift.
Und während man politisch je nach Lager gern nur auf die jeweils andere Seite zeigt, wächst bei vielen Bürgern schlicht das Gefühl:
Der Staat hat in beiden Richtungen zu oft zugeschaut und zu selten konsequent gehandelt.
Brauchen wir wirklich eine „AfD für Recht und Ordnung“ – oder einfach endlich einen Staat, der seinen Job macht?
Und damit sind wir bei der provokanten Frage, die sich viele mittlerweile stellen – teils aus Frust, teils aus Wut:
Brauchen wir eine AfD für Recht und Ordnung?
Die ehrliche Antwort lautet:
Nein.
Was wir brauchen, ist kein weiterer politischer Lautsprecher, der aus jeder Kriminalstatistik eine Wahlkampfbühne macht.
Was wir brauchen, ist ein funktionierender Rechtsstaat, der Recht und Ordnung nicht nur plakatiert, sondern durchsetzt.
Denn das eigentliche Problem ist doch:
Immer dann, wenn Politik Sicherheit jahrelang nur verwaltet, relativiert oder statistisch schönredet, entsteht Platz für jene, die mit maximaler Lautstärke so tun, als wären sie die einzigen, die das Thema ernst nehmen.
Und genau das ist brandgefährlich.
Wenn Jugendliche brutaler werden, Gewalt im Netz organisiert wird, Internetbetrug explodiert und Intensivtäter den Staat regelmäßig vorführen, dann braucht es keine populistische Ersatzpolizei mit Parteibuch.
Es braucht:
- konsequente Strafverfolgung
- schnellere Verfahren
- klare Sanktionen
- mehr Präsenz
- mehr digitale Ermittlungsfähigkeit
- und vor allem: weniger Ausreden
Die Bewertung
Sachsen ist laut Statistik „sicherer geworden“.
Schön.
Nur leider leben die Bürger nicht in der Überschrift, sondern im Alltag.
Dort warten:
- Internetbetrüger mit Millionen-Schäden,
- jugendliche Gewalttäter mit Social-Media-Terminplanung,
- Intensivtäter mit Dauerkartenstatus
- und ein Staat, der das Ganze wieder einmal in Prozentwerte gießt.
Brauchen wir eine AfD für Recht und Ordnung?
Nein.
Aber wenn der Rechtsstaat weiter so auftritt wie ein überforderter Statistik-Verwalter, dann darf sich niemand wundern, wenn immer mehr Menschen nach genau so einem gefährlichen politischen Etikett rufen.
Oder noch kürzer:
Das Problem ist nicht, dass es zu wenig „Law and Order“-Parolen gibt.
Das Problem ist, dass der Staat zu oft wirkt, als hätte er bei Recht und Ordnung selbst schon lange Feierabend gemacht.
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