In Kuba ist es zu ungewöhnlich offenen Protesten gegen die Regierung gekommen. In der zentralen Stadt Morón drangen Demonstranten in ein Gebäude der Kommunistischen Partei ein und verwüsteten Teile der Einrichtung. Die Behörden bestätigten den Vorfall und erklärten, dass fünf Personen festgenommen wurden.
Die Proteste stehen im Zusammenhang mit der sich zuspitzenden Energie- und Versorgungskrise auf der Karibikinsel. Seit Monaten kommt es zu massiven Stromausfällen, während gleichzeitig Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente knapp sind.
Nach Angaben der Regierung haben zuletzt mehrere Monate lang kaum noch Treibstofflieferungen das Land erreicht. Präsident Miguel Díaz-Canel machte dafür vor allem die verschärften US-Sanktionen verantwortlich, die nach seinen Worten die wirtschaftliche Lage des Landes weiter verschlechtert hätten.
Zugleich räumte der Präsident ein, dass die Sorgen und Beschwerden vieler Bürger nachvollziehbar seien. Gewalt und Vandalismus könne die Regierung jedoch nicht akzeptieren.
Augenzeugen zufolge begann die Demonstration zunächst friedlich. Später eskalierte die Situation: Einige Teilnehmer warfen Steine auf das Gebäude der Kommunistischen Partei und setzten Möbel aus dem Eingangsbereich auf der Straße in Brand. Auch eine Apotheke sowie ein staatlicher Markt sollen beschädigt worden sein.
Videos in sozialen Netzwerken zeigen Menschen, die „Libertad“ (Freiheit) rufen, während im Hintergrund Feuer brennt.
Offene Proteste sind in Kuba vergleichsweise selten. Zwar garantiert die Verfassung von 2019 formal das Recht auf Demonstrationen, doch ein entsprechendes Gesetz zur praktischen Umsetzung wurde bislang nicht verabschiedet.
Die aktuelle Energiekrise hat den Alltag vieler Menschen massiv beeinträchtigt. Stromausfälle dauern in einigen Regionen bis zu 15 Stunden täglich. Dadurch kommt es auch zu Problemen bei der Müllabfuhr, im öffentlichen Verkehr, in Krankenhäusern und im Bildungssystem.
In den vergangenen Wochen kam es in mehreren Städten zu kleineren Protestaktionen. Viele Menschen äußerten ihren Unmut, indem sie nachts auf den Straßen oder von ihren Wohnungen aus mit Töpfen und Pfannen Lärm machten.
Besonders betroffen ist die Hauptstadt Havanna, die zuletzt immer wieder von langen Stromabschaltungen betroffen war.
Auch Studenten protestierten zuletzt an der Universität von Havanna gegen Unterrichtsausfälle infolge der Energiekrise.
Beobachter sehen in den jüngsten Protesten ein Zeichen dafür, wie stark der wirtschaftliche und soziale Druck auf die Bevölkerung mittlerweile geworden ist.
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