Urlauber aus Großbritannien müssen sich in diesem Sommer auf deutlich längere Wartezeiten an den Grenzen vieler EU-Staaten einstellen. Grund ist das neue digitale Einreise-/Ausreisesystem (Entry/Exit System, EES), das erstmals während der Hauptreisezeit vollständig im Einsatz ist.
Das System ersetzt den bisherigen Passstempel für Reisende aus Nicht-EU-Staaten. Bei der Einreise in den Schengen-Raum werden künftig neben dem Reisepass auch Fingerabdrücke und ein Gesichtsbild erfasst. Die biometrischen Daten werden bei der Ausreise erneut überprüft. Betroffen sind unter anderem Reisen nach Frankreich, Spanien, Portugal und Italien.
Die zusätzliche Datenerfassung verlängert die Abfertigung an den Grenzkontrollen erheblich. Während das System an einigen Flughäfen bereits reibungslos funktioniert, kam es an anderen Standorten zuletzt zu Wartezeiten von mehreren Stunden. Der internationale Luftfahrtverband IATA warnt, dass Reisende in Einzelfällen sogar bis zu sechs Stunden an den Grenzkontrollen verbringen könnten. Als Ursachen gelten technische Probleme, Personalmangel und die aufwendige Erfassung biometrischer Daten.
Fluggesellschaften raten Reisenden deshalb, insbesondere für den Rückflug in das Vereinigte Königreich deutlich mehr Zeit einzuplanen. Die britische Fluggesellschaft Wizz Air empfiehlt, mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Einige Passagiere verpassten in den vergangenen Wochen bereits ihre Flüge, weil sie die Sicherheits- und Grenzkontrollen nicht rechtzeitig passieren konnten. Ob Airlines in solchen Fällen auf verspätete Reisende warten, handhaben die Fluggesellschaften unterschiedlich.
Um Engpässe während der Ferienzeit zu vermeiden, haben einige Länder bereits reagiert. Portugal setzt im Juli zusätzliches Grenzpersonal ein, während Griechenland bei britischen Urlaubern während der Hauptreisezeit vorübergehend auf die biometrische Erfassung verzichtet. Die Europäische Kommission erlaubt den Mitgliedstaaten zudem, das System bis September in Ausnahmefällen vorübergehend auszusetzen, wenn es zu übermäßig langen Wartezeiten kommt.
Auch an Fährhäfen und Bahnhöfen mit britischen Verbindungen laufen die Vorbereitungen. In Dover, am Eurotunnel-Terminal in Folkestone und am Londoner Bahnhof St Pancras wurden bereits automatische Kontrollterminals installiert. Sie sollen die Abfertigung künftig beschleunigen, befinden sich aber teilweise noch nicht im regulären Betrieb.
Parallel arbeitet die Europäische Union an einem weiteren digitalen Reisesystem. Mit ETIAS sollen visumbefreite Reisende aus Nicht-EU-Staaten – darunter auch Britinnen und Briten – ihre Reise künftig vorab online registrieren. Das System soll nach derzeitiger Planung Ende 2026 starten. Die Genehmigung wird 20 Euro kosten und jeweils drei Jahre gültig sein. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Menschen über 70 Jahre müssen sich zwar ebenfalls registrieren, sind jedoch von der Gebühr befreit.
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