Startseite Allgemeines KI-Schock an der Wall Street: Apokalyptisches Szenario lässt US-Börsen erzittern
Allgemeines

KI-Schock an der Wall Street: Apokalyptisches Szenario lässt US-Börsen erzittern

geralt (CC0), Pixabay
Teilen

Ein spekulativer Bericht des US-Analysehauses Citrini Research hat an den amerikanischen Börsen für erhebliche Unruhe gesorgt. In einem viel beachteten Beitrag auf Substack entwerfen die Autoren ein dystopisches Szenario, in dem autonome KI-Systeme innerhalb weniger Jahre große Teile der US-Wirtschaft destabilisieren. Zwar betont das Unternehmen ausdrücklich, es handle sich um ein „Szenario, nicht um eine Vorhersage“, doch die Märkte reagierten empfindlich.

Im Zentrum steht die Annahme, dass sogenannte KI-Agenten – also selbstständig handelnde Programme – einen massiven Fähigkeitssprung machen und wirtschaftliche „Reibung“ nahezu vollständig beseitigen. Tätigkeiten, für die bislang Software-Abonnements oder Plattformen nötig waren, könnten Unternehmen und Verbraucher demnach mithilfe eigener KI-Lösungen günstiger selbst erledigen. Besonders betroffen wären klassische Softwareanbieter sowie Plattform- und Vermittlungsdienste.

Aktien von Unternehmen, die im Bericht namentlich genannt werden – darunter Uber, DoorDash, Mastercard und American Express – gaben in der Folge deutlich nach. Auch der S&P 500 verlor zeitweise mehr als ein Prozent. Marktbeobachter verweisen zwar darauf, dass auch andere Faktoren wie neue Zollankündigungen von Donald Trump für Nervosität sorgten, doch das KI-Szenario habe die Unsicherheit zusätzlich verstärkt.

Citrini zeichnet eine Eskalationsspirale: Zunächst geraten Softwarefirmen unter Druck, weil KI-Agenten interne Prozesse günstiger übernehmen. In der Folge komme es zu Entlassungen im großen Stil, vor allem im Büro- und IT-Bereich. Anders als bei früheren technologischen Umbrüchen entstünden jedoch kaum neue Arbeitsfelder, da KI zunehmend auch komplexe kognitive Aufgaben übernehme. Die freigesetzten Arbeitskräfte würden in unsichere, schlechter bezahlte Tätigkeiten abgedrängt, was Löhne und Konsum drücke.

Sinkende Nachfrage und unsichere Perspektiven führten laut Szenario zu Kreditausfällen, insbesondere im Bereich privater Unternehmensfinanzierungen. Viele Investoren hätten Softwarefirmen auf Basis optimistischer Wachstumsannahmen finanziert. Brechen diese Erträge weg, drohten Zahlungsausfälle mit Folgen für Vermögensverwalter, Versicherungen und letztlich private Haushalte. Parallel dazu könne eine Hypothekenkrise entstehen, weil entlassene Angestellte ihre Immobilienkredite nicht mehr bedienen könnten.

Die Autoren sprechen von einer „Rückkopplungsschleife ohne Bremse“: Unternehmen entlassen Personal, der Konsum sinkt, Investitionen fließen verstärkt in KI statt in Arbeitsplätze – was weitere Entlassungen nach sich zieht. Am Ende steht in der Darstellung ein Börsencrash im Jahr 2027, bei dem mehr als die Hälfte des Indexwertes vernichtet werde.

Gleichzeitig prosperierten große KI-Anbieter weiter. Da sie ein erhebliches Gewicht in den Aktienindizes hätten, könne die Gesamtwirtschaft auf dem Papier robust erscheinen, während breite Bevölkerungsschichten Verluste erleiden. Für dieses Auseinanderklaffen prägt Citrini den Begriff „Ghost GDP“ – Wirtschaftsleistung, die statistisch erfasst wird, aber kaum noch in der Realwirtschaft ankommt.

Einige Analysten sprechen von überzogener Weltuntergangsrhetorik und weisen darauf hin, dass heutige KI-Systeme technisch noch weit von einer derart umfassenden Automatisierung entfernt seien. Dennoch zeigt die heftige Marktreaktion, wie stark KI-Debatten inzwischen Stimmungen an den Finanzmärkten beeinflussen – selbst wenn sie auf rein hypothetischen Szenarien beruhen.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Insolvenz:Gillton GmbH

3603 IN 1226/26 | In dem Verfahren über den Antrag auf Eröffnung...

Allgemeines

Trumps State of the Union-Rede, natürlich die bisher längste

US-Präsident Donald Trump hat am 24. Februar 2026 seine State of the...

Allgemeines

Heftiger Regenfall in Brasilien: Mindestens 30 Tote, zahlreiche noch vermisst

Heftige Regenfälle haben im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais schwere Überschwemmungen und Erdrutsche...

Allgemeines

Thinktank: Russland kann Krieg auch 2026 fortsetzen

Russland kann seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine nach Einschätzung des International Institute...