Während im Nahen Osten Raketen fliegen, fliegt gleichzeitig etwas ganz anderes in die Luft: die Energieversorgung – und mit ihr die leise Hoffnung, dass wir unsere Heizungen einfach weiter auf „komfortable 22 Grad“ stehen lassen können.
Denn immer öfter geraten ausgerechnet jene Anlagen ins Visier, die dafür sorgen, dass irgendwo überhaupt noch Licht brennt, Wasser fließt oder ein Krankenhaus nicht plötzlich zur improvisierten Kerzenstube wird. Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Stromnetze zu bombardieren sei nicht nur völkerrechtswidrig, sondern auch eine ziemlich effektive Methode, Millionen Menschen gleichzeitig ins Chaos zu stürzen. Ohne Strom kein Wasser, ohne Wasser kein Leben – und ohne Leben auch keine besonders guten Umfragewerte.
Währenddessen zählen internationale Organisationen Opferzahlen, die längst jede Schlagzeile sprengen: Tausende Tote, Millionen Vertriebene, darunter erschreckend viele Kinder. Die genaue Lage bleibt oft unklar – nicht zuletzt, weil dort, wo Bomben fallen, das Internet gern gleich mit verschwindet. Transparenz ist schließlich auch nur eine Form von Infrastruktur.
Und als wäre das alles nicht genug, meldet sich noch ein altbekannter Mitspieler zurück: das Klima. In den ersten zwei Wochen des Krieges wurden laut Analysen rund fünf Millionen Tonnen CO₂ in die Atmosphäre geblasen – quasi ein Nebenprodukt der Kategorie „Ups, auch das noch“. Brennende Raffinerien, zerstörte Städte und fröhlich abgefackeltes Gas liefern einen Emissionsschub, für den man sich in anderen Teilen der Welt jahrelang auf Klimakonferenzen rechtfertigen müsste.
Man könnte also langsam anfangen, praktische Fragen zu stellen: Wenn Energieinfrastruktur zum bevorzugten Ziel wird – sitzen wir dann bald wieder im Wohnzimmer und diskutieren ernsthaft, ob der alte Kohleofen im Keller noch funktioniert? Gibt es eigentlich schon Tutorials für „Heizen wie 1950 – aber nachhaltig verzweifelt“?
Die bittere Pointe: Während man hier noch über Wärmepumpen, Energiepreise und CO₂-Budgets debattiert, zeigt der Krieg ziemlich deutlich, wie fragil das ganze System ist. Und wie schnell aus moderner Energieversorgung wieder ein Luxusgut werden kann.
Oder anders gesagt: Vielleicht sollten wir den Kohleofen nicht gleich entstauben – aber die Frage, wie sicher unsere Energie eigentlich ist, die wird gerade ziemlich heiß diskutiert.
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