Ein launischer, aber nachdenklicher Kommentar aus Sicht eines leidgeprüften Dynamo-Fans
Es gibt Vereine, bei denen fährt man zum Auswärtsspiel, um drei Punkte mitzunehmen. Und es gibt Dynamo Dresden. Da fährt man mit Hoffnung hin, bekommt zwischenzeitlich sogar das Gefühl, dass heute alles gut werden könnte, und fährt anschließend mit einer weiteren Enttäuschung nach Hause.
Hannover 96 gegen Dynamo Dresden, Endstand 2:1. Und wieder einmal fragt man sich: Warum eigentlich?
Dabei fing alles so schön an. Nicolai Rapp trifft in der 11. Minute zur Führung. Dynamo spielt ordentlich, steht kompakt, Hannover wirkt verunsichert. Zur Halbzeit führen wir 1:0. Als Fan denkt man natürlich sofort: Mensch, vielleicht schaffen wir heute endlich den Befreiungsschlag!
Aber wer Dynamo kennt, weiß: Hoffnung ist bei uns eine besonders gefährliche Form des Optimismus.
Nach der Pause dann das mittlerweile vertraute Schauspiel. Hannover kommt entschlossener aus der Kabine, Dynamo zieht sich zurück, und plötzlich ist von der Sicherheit der ersten Halbzeit nicht mehr viel übrig.
In der 54. Minute der Ausgleich durch Chakroun. Sieben Minuten später verwandelt Hartel einen Elfmeter zum 2:1. Und weil ein gewöhnlicher Rückstand offenbar nicht ausreicht, verabschiedet sich Friedrich Müller in der 65. Minute auch noch mit Gelb-Rot.
Da sitzt man vor dem Fernseher und überlegt ernsthaft, ob man sich nicht lieber ein Aquarium anschafft. Da schwimmt wenigstens gelegentlich jemand zielstrebig nach vorne.
Aber Spaß beiseite.
Was mich wirklich beschäftigt, ist nicht diese eine Niederlage. Es ist die Entwicklung. Nach zehn Spieltagen steht Dynamo auf dem letzten Tabellenplatz. Das ist keine Momentaufnahme mehr, die man einfach mit Pech oder unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen erklären kann.
Natürlich darf man verlieren. Auch gegen Hannover. Aber man muss doch erkennen können, dass eine Mannschaft aus ihren Fehlern lernt.
Warum verlieren wir nach einer guten ersten Halbzeit wieder die Kontrolle? Warum fehlt uns nach Gegentoren so häufig die Antwort? Und warum gelingt es nicht, die kämpferische Leistung aus dem Pokalsieg gegen Schalke in den Ligaalltag mitzunehmen?
Thomas Stamm steht vor einer schwierigen Aufgabe. Ich möchte nicht schon wieder die übliche Trainerdiskussion eröffnen. Aber irgendwann müssen aus Erklärungen auch Lösungen werden.
Denn eines sollte niemand unterschätzen: Dynamo Dresden ist mehr als eine Mannschaft auf einem Tabellenblatt. Dieser Verein bedeutet Tausenden Menschen unglaublich viel. Sie fahren Hunderte Kilometer, investieren Geld, Zeit und Nerven. Nicht weil sie immer Siege erwarten, sondern weil sie Leidenschaft und Entwicklung sehen wollen.
Und genau deshalb tut dieser letzte Tabellenplatz so weh.
Wir Dynamo-Fans haben schon ganz andere Krisen überstanden. Wir werden auch diese überstehen. Aber Treue darf niemals als Selbstverständlichkeit betrachtet werden.
Mein Wunsch ist ganz einfach: Hört auf, uns Hoffnung nur für 45 Minuten zu schenken. Fangt endlich an, sie über 90 Minuten zu rechtfertigen.
Denn Dynamo gehört nicht ans Tabellenende. Aber allein der Name Dynamo Dresden bringt uns dort auch nicht wieder weg.
Und nächsten Sonntag? Da sitze ich natürlich wieder vor dem Fernseher und hoffe.
Was soll ich machen? Ich bin eben Dynamo-Fan.
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