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Deutschland sucht den ESC-Star – und findet… Dinge

SilviaStoedter (CC0), Pixabay
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Am Samstag entscheidet Deutschland wieder einmal in einer Liveshow, wer das Land beim Song Contest vertreten darf. Ein Blick ins Archiv der Vorentscheide zeigt: Es wurde schon viel entschieden. Nicht immer klug, aber konsequent.

Surfen, Roboter und andere Warnsignale

1996 betraten die legendären Euro-Cats die Bühne – vier Damen in Flaggenröcken, die das damals brandneue Internet besangen.
„Wir surfen, surfen, durch die Welt, mit Multimedia.“

Man muss ihnen zugutehalten: Sie waren ihrer Zeit voraus. Leider auch ihrer stimmlichen Sicherheit und dem guten Geschmack. Zeilen wie „Komm heute Nacht ins Internet“ wirken heute ungefähr so subtil wie ein 56k-Modem im Dauerbetrieb.

Schon 1986 hatte „That’s Life“ versucht, das Telefon musikalisch zu feiern – Platz letzter. Offenbar gilt beim ESC: Technik altert schneller als Glitzer.

Wenn Roboter singen und niemand fragt warum

Im Vorentscheid-Archiv finden sich außerdem zwei singende Roboter, ein Breakdancer, drei Damen im Spitzenkleid und ein Projekt namens Mister Fisto mit dem Song „Rein und klar, wie’s früher war“.
War es Satire? War es ernst gemeint? War es ein Unfall?
Man weiß es bis heute nicht.

Moderiert wurde das Ganze von Wencke Myhre. Vermutlich mit stoischer Gelassenheit.

Die großen Fragen der Menschheit

Die Neue Deutsche Welle brachte ebenfalls philosophische Tiefe ins Rennen:

  • „Wo warst Du, als ich starb?“

  • „Mein Transistorradio“

  • „Das Ungeheuer von Loch Ness“

Man merkt: Deutschland hatte Fragen. Und niemand hatte Antworten.

1997 besang Leon mit ernster Miene seine Taschenlampe. „Schein, meine kleine Taschenlampe.“
Man möchte fast sagen: Er hat das Licht gesehen. Leider nur Platz zwei.

Zwischen Kunst, Alkohol und Existenzkrise

1962 gewann Conny Froboess mit „Zwei kleine Italiener“ – offenbar waren zwei erfolgreicher als „Ein verliebter Italiener“. Mathematik kann beim ESC entscheidend sein.

1979 sang man „Zu viel Tequila, zu viel schöne Mädchen“ – was vermutlich auch das interne Auswahlverfahren erklärt.

Gescheiterte Stars und ESC-Traumata

Auch prominente Namen scheiterten reihenweise:
Rex Gildo, Roberto Blanco, Marianne Rosenberg, Roland Kaiser, Rosenstolz, die Kelly Family (wobei allein die Personalstärke ein Problem war – maximal sechs Personen auf der Bühne, nicht 47).

2004 wollten Scooter, MIA und Sabrina Setlur – am Ende fuhr Max Mutzke.
2008 schickte man die No Angels – Platz 23 von 25. Engel können offenbar nicht alles.

Die Eklat-Jahre

2015 gewann Andreas Kümmert – und verzichtete live auf der Bühne. Ann Sophie rückte nach. Ergebnis: letzter Platz.
2016 schickte man Jamie-Lee im Manga-Stil nach Stockholm. Viele dachten: Das ist mutig. Europa dachte: Nein.

Und dann war da noch die Idee, Xavier Naidoo ohne Vorentscheid zu nominieren. Nach Protesten verzichtete er – vermutlich das ruhigste Drama der ESC-Geschichte.

Durchwachsene Bilanz mit Lichtblick

Seit Lenas Sieg 2010 („Satellite“) sucht Deutschland wieder nach diesem magischen Moment zwischen Talent, Song und nicht-peinlicher Inszenierung. Gelegentlich klappt es halbwegs (Michael Schulte 2018), oft weniger.

Aber genau das macht den deutschen Vorentscheid so besonders:
Er ist weniger Musikshow, mehr soziologisches Experiment.

Und während am Samstag wieder entschieden wird, darf man sicher sein:
Egal wer gewinnt – das Archiv wird wachsen.

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