Der US Demokrat Graham Platner hat seine Kampagne für den US-Senat im Bundesstaat Maine ausgesetzt. Der Schritt folgt auf eine Reihe von Skandalen, zuletzt auf den Vorwurf einer Frau, Platner habe sie sexuell missbraucht. Platner bestreitet die Anschuldigung und erklärte, seine Entscheidung sei kein Schuldeingeständnis.
In einem elfminütigen Video auf der Plattform X sagte Platner, er werde seine Kandidatur offiziell erst dann zurückziehen, wenn sichergestellt sei, dass seine Nachfolge in einem offenen und demokratischen Verfahren geregelt werde. Der Prozess dürfe nicht in Hinterzimmern von Parteifunktionären entschieden werden, sagte er sinngemäß. Nach dem Wahlrecht in Maine muss Platner bis zum 13. Juli offiziell aus dem Rennen aussteigen, damit ein Ersatzkandidat auf den Stimmzettel gesetzt werden kann.
Der Fall ist für die Demokraten politisch brisant. Der Senatssitz in Maine gilt als entscheidend für die ohnehin schwierigen Chancen der Partei, bei den Zwischenwahlen im November die Mehrheit im US-Senat zu gewinnen. Die republikanische Amtsinhaberin Susan Collins ist seit Jahren eine feste Größe in der Politik des Bundesstaates. Um die Mehrheit zu holen, müssten die Demokraten ihren Sitz angreifen, zugleich alle eigenen Mandate halten und weitere hinzugewinnen.
Platner galt lange als Hoffnungsträger des progressiven Parteiflügels. Der Austernfarmer und frühere Soldat trat als politischer Außenseiter auf, sprach sich für eine allgemeine Gesundheitsversorgung und bezahlbaren Wohnraum aus und kritisierte offen das demokratische Establishment. Unterstützt wurde er unter anderem von Bernie Sanders und Elizabeth Warren. Sein Aufstieg war so stark, dass Maines Gouverneurin Janet Mills ihre eigene Bewerbung um die demokratische Nominierung aussetzte.
Doch mehrere Enthüllungen brachten seine Kampagne ins Wanken. Zunächst wurde über eine Tätowierung berichtet, die einem Nazi-Symbol ähneln soll; Platner erklärte später, er habe sie überdecken lassen. Danach wurden ältere Reddit-Beiträge bekannt, in denen er sich abwertend über Opfer sexueller Gewalt geäußert haben soll. Im Juni berichtete die „New York Times“ zudem über sexuelle Nachrichten, die Platner während seiner Ehe mit anderen Frauen ausgetauscht habe. Platner räumte diesen Bericht ein.
Den entscheidenden Bruch brachte jedoch eine Veröffentlichung von „Politico“. Darin beschuldigt Jenny Racicot, 41, Platner, nach einer wechselhaften Beziehung ungebeten in ihr Haus gekommen zu sein und sie sexuell missbraucht zu haben. Sie sagte, Platner habe stark betrunken gewirkt. Platner wies den Vorwurf in seinem Video scharf zurück und sprach von einer falschen Anschuldigung.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe distanzierten sich zahlreiche Demokraten von ihm. Warren forderte ihn zum Rückzug auf, mehrere Unterstützer im Kongress zogen ihre Wahlempfehlungen zurück. Auch das Wahlkampfkomitee der demokratischen Senatoren sowie die Demokratische Partei in Maine beendeten ihre Unterstützung.
Nun muss die Partei rasch einen Ersatz finden. Die Demokraten in Maine kündigten an, innerhalb der nächsten zwei Wochen bei einem Parteitag über eine neue Kandidatur entscheiden zu wollen. Mehrere mögliche Bewerberinnen und Bewerber brachten sich bereits ins Gespräch, darunter der Unternehmer Dan Kleban, die Secretary of State von Maine, Shenna Bellows, und der frühere Staatssenator Troy Jackson. Auch der Schauspieler Patrick Dempsey wurde öffentlich genannt, schloss eine Kandidatur jedoch aus.
Die Partei steht damit vor einer schwierigen Aufgabe: Sie muss die Energie der Platner-Unterstützer auffangen, ohne die schweren Vorwürfe gegen ihn zu relativieren. Gleichzeitig braucht sie eine Kandidatur, die im Rennen gegen Collins bestehen kann. Was als populistische Aufbruchskampagne begann, endet nun in einem politischen Notfallverfahren — mitten in einem der wichtigsten Senatsrennen des Jahres.
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