Ölpreis nahe 100 Dollar bremst die Anleger – MDAX etwas fester, SDAX kaum verändert
An der Frankfurter Börse hat sich am Dienstag ein gemischtes Bild gezeigt. Während der DAX kurz vor Handelsschluss kaum von der Stelle kam, konnte der MDAX leicht zulegen. Der SDAX bewegte sich nahezu unverändert. Für Zurückhaltung sorgten vor allem der weiter steigende Ölpreis, neue Inflationssorgen und die Aussicht auf möglicherweise länger hohe Zinsen.
Der DAX pendelte am Nachmittag um die Marke von 26.000 Punkten. Gegen 16 Uhr lag der Leitindex mit knapp 25.994 Punkten praktisch auf Vortagesniveau. Der MDAX zeigte sich mit einem Plus von rund 0,4 Prozent auf etwa 32.550 Punkte etwas freundlicher. Der SDAX bewegte sich mit rund 18.756 Punkten nahezu unverändert.
Damit blieb der Gesamtmarkt stabil, obwohl das internationale Umfeld alles andere als entspannt ist.
Ölpreis wird zum zentralen Belastungsfaktor
Die größte Sorge der Anleger kommt derzeit vom Energiemarkt.
Der Preis für Brent-Rohöl bewegt sich inzwischen in Richtung 100 Dollar je Barrel. Hintergrund sind die Spannungen zwischen den USA und Iran sowie die Sorge vor möglichen Störungen der Energieversorgung.
Für die Aktienmärkte ist das gleich doppelt unangenehm.
Steigende Ölpreise verteuern Transporte, Produktion und Energie. Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass die Inflation wieder stärker anzieht. Damit steigt wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik länger straff halten oder sogar weitere Zinserhöhungen erwägen.
Genau diese Kombination bremst derzeit die Kauflaune.
Europaweit gerieten vor allem Banken unter Druck, während Energiewerte vergleichsweise besser abschnitten.
BASF gehört zu den stärkeren DAX-Werten
Im deutschen Leitindex konnte sich BASF dem eher schwachen Umfeld entziehen.
Die Aktie legte zeitweise rund 1,5 Prozent zu und näherte sich damit ihrem 52-Wochen-Hoch. Für einen Chemiekonzern ist das bemerkenswert, weil die Branche besonders sensibel auf Energiepreise und Konjunkturerwartungen reagiert.
Auf der Verliererseite stand dagegen Heidelberg Materials mit zeitweise rund 1,3 Prozent Minus.
Auch Siemens Energy präsentierte sich schwächer.
Damit blieb der DAX insgesamt ohne klaren Branchentrend. Einzelne Titel konnten sich behaupten, doch für eine breitere Aufwärtsbewegung fehlte die nötige Dynamik.
MDAX zeigt sich robuster
Etwas besser lief es in der zweiten Börsenreihe.
Der MDAX drehte nach einem schwächeren Start im Laufe des Tages ins Plus.
Zu den stärkeren Werten gehörten unter anderem KION, RENK, DWS, Nordex und K+S.
Damit waren vor allem Industrie-, Rüstungs- und Energietitel gefragt.
Der leichte Anstieg des MDAX zeigt, dass Anleger trotz der geopolitischen Unsicherheit selektiv weiter zugreifen.
Hornbach ist die Aktie des Tages
Das größte Ausrufezeichen setzte allerdings der SDAX.
Hornbach Holding legte zeitweise mehr als sechs Prozent zu und gehörte damit zu den stärksten Aktien am deutschen Markt.
Der Grund waren überzeugende Geschäftszahlen.
Der Baumarktkonzern steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um 7,3 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro.
Noch stärker fiel die Entwicklung beim bereinigten operativen Ergebnis aus. Dieses erhöhte sich um 12,8 Prozent auf 124,6 Millionen Euro.
Zusätzlich bestätigte Hornbach seine Jahresprognose.
Für Anleger war das offenbar genug, um kräftig zuzugreifen.
Weitere starke Nebenwerte
Neben Hornbach konnten auch mehrere andere SDAX-Unternehmen deutlich zulegen.
ASTA Energy Solutions gewann rund fünf Prozent.
SMA Solar legte mehr als drei Prozent zu.
Auch Jungheinrich und Wacker Neuson gehörten zu den stärkeren Titeln.
Damit zeigte sich erneut, dass einzelne Unternehmensnachrichten den Gesamtmarkt deutlich überlagern können.
Redcare und Softwarewerte unter Druck
Nicht alle Nebenwerte konnten profitieren.
Redcare Pharmacy verlor rund 3,8 Prozent.
Auch GFT und ATOSS Software gaben deutlich nach.
Carl Zeiss Meditec gehörte ebenfalls zu den schwächeren Aktien im SDAX.
Besonders auffällig war damit die Schwäche bei einzelnen Wachstums- und Technologiewerten.
Solche Unternehmen reagieren häufig empfindlicher auf steigende Zins- und Renditeerwartungen.
Börse erstaunlich stabil – aber nicht entspannt
Unter dem Strich zeigt der Dienstag einen bemerkenswert widerstandsfähigen deutschen Aktienmarkt.
Der DAX hält sich trotz Ölpreis, Geopolitik und Zinsängsten rund um 26.000 Punkte.
Der MDAX kann sogar leicht zulegen.
Der SDAX bleibt stabil.
Das ist kein Zeichen großer Euphorie.
Aber es zeigt, dass Anleger derzeit nicht bereit sind, flächendeckend auszusteigen.
Stattdessen wird stärker differenziert.
Unternehmen mit guten Zahlen, klaren Perspektiven oder positiven Branchentrends werden gekauft.
Andere Werte geraten dagegen schnell unter Druck.
Fazit: Stabilität trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Die Frankfurter Börse bleibt am Dienstag erstaunlich robust.
Der DAX kommt zwar kaum voran, bricht aber auch nicht ein.
Der MDAX zeigt etwas mehr Stärke.
Und der SDAX bleibt nahezu unverändert.
Die wichtigste Unternehmensgeschichte des Tages liefert Hornbach mit starken Quartalszahlen und einem deutlichen Kurssprung.
Gleichzeitig bleibt der Ölpreis das große Risiko.
Sollte Brent nachhaltig über die Marke von 100 Dollar steigen, dürfte die Diskussion über Inflation und Zinsen noch einmal deutlich an Fahrt aufnehmen.
Der deutsche Aktienmarkt hält sich also wacker – aber die Ruhe wirkt eher vorsichtig als gelassen.
Kommentar hinterlassen