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China spielt Trump in der Handelskrise einen seltenen Trumpf aus

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Während US-Präsident Donald Trump mit immer neuen Strafzöllen gegen China vorgeht, zieht Peking einen Joker aus dem Ärmel, der Washington ernsthaft ins Wanken bringen könnte: seltene Erden. Diese Metalle, die in fast jeder Hightech-Anwendung stecken – von Smartphones bis hin zu Kampfjets – gelten als strategisch unverzichtbar. Und China hat sie (fast) alle.

Xi Jinping ließ bereits 2019 bei einem PR-wirksamen Besuch in einer südchinesischen Fabrik durchblicken, wie wichtig diese Rohstoffe sind. Jetzt macht China ernst: Sieben Arten seltener Erden unterliegen seit Anfang April Exportbeschränkungen. Unternehmen müssen nun Genehmigungen einholen – was die US-Industrie ins Schwitzen bringt.

Denn während die USA und andere Länder zwar selbst über Vorkommen verfügen, liegt der schwierige Teil – das umweltbelastende und teure Verarbeiten – zu 92 % in chinesischer Hand. Plötzlich stocken die Lieferungen, amerikanische Unternehmen berichten von blockierten Bestellungen. Besonders betroffen: sogenannte „schwere“ seltene Erden, die für High-End-Technik wie das F-35-Kampfflugzeug oder Atom-U-Boote unerlässlich sind.

Trump reagierte prompt mit der Anordnung, mögliche Zölle auf kritische Rohstoffe zu prüfen. Doch Experten sehen das als wenig wirksam: „Bei Zöllen hat China wenig zu befürchten – aber bei seltenen Erden haben sie eine echte Waffe in der Hand“, so ein Analyst.

Die USA versuchen derweil aufzuholen. Der Verteidigungsminister hat hunderte Millionen Dollar investiert, um eine eigene Lieferkette aufzubauen – doch bis diese läuft, vergehen Jahre. Neue Fabriken in Texas und New Hampshire sollen helfen, ebenso Kooperationen mit Kanada und Australien.

Trotzdem bleibt die Abhängigkeit bestehen. Zwischen 2020 und 2023 importierten die USA über 70 % ihrer seltenen Erden aus China. Und auch das nötige Fachwissen hat Amerika über die Jahre weitgehend eingebüßt, nachdem viele Unternehmen wegen günstigerer Preise den Markt verließen.

Währenddessen gibt sich Peking gelassen – und entschlossen. Was 1992 Deng Xiaoping bereits prophezeite („Im Nahen Osten gibt es Öl, in China seltene Erden“) scheint sich nun zu bewahrheiten: China dominiert nicht nur die Produktion, sondern auch die Regeln.

Für die USA ist das ein Weckruf – aber auch eine Chance. Nie war der politische Wille größer, sich von Chinas Rohstoffmacht unabhängiger zu machen. Doch der Weg dorthin ist teuer, technisch komplex – und dauert. Bis dahin bleibt Washington auf Pekings strategischen Rohstoffexport angewiesen. Ein Trumpf, den Xi nur allzu bewusst ausspielt.

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