Ein launischer Kommentar aus Sicht eines Borussia-Dortmund-Fans
Liebe Borussen, ich muss jetzt einmal etwas loswerden: Wir spielen beim FC Bayern 2:2, ärgern die Münchner bis zur letzten Minute, bleiben punktgleich an der Tabellenspitze – und anschließend reden wir wieder so, als müssten wir uns für unsere eigene Stärke entschuldigen.
Herrschaften, wir sind Borussia Dortmund! Kein Kegelverein, der zufällig einmal in der Allianz Arena vorbeigeschaut hat!
Bayern jammert, Dortmund schweigt – was läuft denn da falsch?
Unser Fabio Silva trifft in der 89. Minute zum 2:2. Die Bayern schauen bedröppelt, Ministerpräsident Markus Söder beklagt ein unverdientes Unentschieden.
Herr Söder, ich verstehe Ihren Kummer. Erst verschwindet der geliebte McRib bei McDonald’s, dann verschwinden zwei Punkte gegen Dortmund.
Manche Wochen sind einfach grausam.
Aber während in München gejammert wird, übt sich Dortmund wieder in westfälischer Bescheidenheit.
„Wir wollen etwas reißen“, heißt es dann.
Ja, was denn genau? Einen Bratwurststand eröffnen? Die nächste Mitgliederversammlung gewinnen? Oder vielleicht tatsächlich Deutscher Meister werden?
Lieber Nico Schlotterbeck, das M-Wort ist nicht verboten!
Man bekommt langsam den Eindruck, dass im Dortmunder Mannschaftsbus eine Alarmanlage losgeht, sobald jemand das Wort „Meisterschaft“ ausspricht.
Dabei gibt es gute Gründe für Selbstvertrauen.
Unsere Abwehr gehört zu den stärksten Europas. Niko Kovac hat der Mannschaft Stabilität beigebracht. Und offenbar haben wir inzwischen eine besondere Leidenschaft entwickelt: Tore schießen, wenn die gegnerischen Fans schon gedanklich auf dem Heimweg sind.
Sieben der letzten 14 Treffer fielen nach der 80. Minute.
Andere Mannschaften spielen 90 Minuten Fußball. Wir fangen offenbar erst richtig an, wenn die Stadionwurst kalt wird.
Liebe BVB-Bosse, Bescheidenheit bringt keine Meisterschale!
Natürlich haben die Bayern mehr Geld. Natürlich spielen dort Weltstars.
Aber wissen Sie was?
Die Meisterschale wird nicht automatisch an den Verein mit dem teuersten Mannschaftsbus vergeben.
Und wenn Carsten Cramer erklärt, man wolle lieber arbeiten als große Ankündigungen machen, dann ist das durchaus sympathisch.
Nur sollte man dabei nicht vergessen: Wer ständig erklärt, warum Bayern wirtschaftlich überlegen ist, macht den Gegner im eigenen Kopf noch größer.
Unser Fazit: Schluss mit dem Vize-Abonnement!
Ich verlange keine Meistergarantie. Ich verlange auch keine großspurigen Sprüche.
Aber ich möchte endlich wieder hören, dass Borussia Dortmund Deutscher Meister werden will.
Nicht irgendwann. Nicht möglicherweise. Nicht nach dem 33. Spieltag.
Jetzt!
Denn wenn wir selbst nicht an die Schale glauben, warum sollten es die Bayern tun?
Also, liebe Borussen: Brust raus, Kopf hoch, weiterkämpfen!
Und Herr Söder, falls es am Saisonende tatsächlich mit der Dortmunder Meisterschaft klappt: Wir schicken Ihnen selbstverständlich einen Trostpreis nach München.
Einen McRib. Falls wir noch irgendwo einen auftreiben können.
Heja BVB! 🖤💛
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