Die EU-Kommission hat eine neue Strategie zur Verkehrswende vorgestellt: Wenn die Menschen nicht freiwillig genug Elektroautos kaufen, sollen es eben ihre Arbeitgeber tun.
Mit der geplanten „Clean Corporate Vehicles Regulation“ möchte Brüssel erreichen, dass Unternehmen künftig deutlich mehr E-Autos in ihre Fuhrparks aufnehmen. Die Automobilbranche reagierte auf die Idee ungefähr so begeistert wie ein Steuerberater auf eine spontane Betriebsprüfung.
Die große Dienstwagenmission
Der Gedanke dahinter ist simpel:
- Rund 60 Prozent aller Neuwagen in Europa sind Firmenfahrzeuge.
- Also konzentriert sich die EU auf Firmenfahrzeuge.
- Wenn genug Dienstwagen elektrisch fahren, wird irgendwann auch der Rest elektrisch fahren.
- Irgendwann.
Kritiker nennen das einen ambitionierten Plan. Befürworter sprechen von einer notwendigen Transformation. Dienstwagenfahrer sprechen vor allem über Reichweite.
Verbrenner-Aus ohne Verbrenner-Aus
Offiziell handelt es sich nicht um ein Verbot.
Inoffiziell erinnert das Konzept manche Unternehmen an einen Elternsatz wie:
„Natürlich darfst du machen, was du willst. Aber nur diese eine Sache wird unterstützt.“
Ab 2030 sollen große Unternehmen bestimmte Quoten für emissionsfreie Fahrzeuge erfüllen. Bereits ab 2028 könnten staatliche Vergünstigungen an Umweltauflagen gekoppelt werden.
Damit entsteht eine neue europäische Spezialdisziplin:
Das Nicht-Verbot, das sich verdächtig wie ein Verbot anfühlt.
Handwerker fragen nach Steckdosen
Besonders kritisch sehen die Pläne Unternehmen auf dem Land.
Dort stellt sich die Verkehrswende oft etwas anders dar als in Brüsseler Konferenzräumen.
Während Strategiepapiere von nachhaltiger Mobilität sprechen, fragen Handwerker manchmal lediglich:
„Wo lade ich das Ding eigentlich?“
Für Lieferdienste, Pflegedienste, Bauunternehmen und andere Betriebe mit langen Fahrstrecken bleibt die Ladeinfrastruktur ein Dauerthema.
Die Industrie hat einen Gegenvorschlag
Die Autoindustrie lehnt zusätzliche Quoten ab und schlägt stattdessen vor:
- mehr Ladesäulen,
- günstigeren Strom,
- schnellere Genehmigungen,
- bessere Stromnetze,
- weniger Bürokratie.
Mit anderen Worten:
Erst die Infrastruktur bauen, dann die Vorschriften schreiben.
Ein Ansatz, der in Europa gelegentlich als revolutionär gilt.
Bürokratie lädt immer
Besonders beliebt ist der Vorschlag bei Unternehmen nicht, weil er neue Berichtspflichten und Nachweissysteme mit sich bringen könnte.
Die Aussicht, künftig neben Steuererklärung, Datenschutz, Lieferkettengesetz und Nachhaltigkeitsbericht auch noch die exakte E-Auto-Quote dokumentieren zu dürfen, sorgt nicht überall für Begeisterung.
Fazit
Die EU möchte die Verkehrswende beschleunigen.
Die Wirtschaft möchte zunächst funktionierende Rahmenbedingungen.
Die Politik spricht von Transformation.
Die Unternehmen sprechen von Kosten.
Und irgendwo zwischen Brüssel und einem Handwerksbetrieb im ländlichen Raum steht ein Elektriker mit einem E-Transporter und sucht die nächste freie Ladesäule.
Die Verkehrswende rollt – manchmal sogar auf eigenen Rädern.
Kommentar hinterlassen