Arthur Fery hat in Wimbledon für die nächste große Überraschung gesorgt. Der britische Wildcard-Spieler besiegte im Viertelfinale den Weltranglisten-Zehnten Flavio Cobolli klar mit 6:4, 7:6 und 6:0 und steht damit erstmals in seiner Karriere im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers.
Für den 23-Jährigen ist es ein historischer Erfolg. Vor diesem Turnier war Fery bei einem Major nie über die zweite Runde hinausgekommen. Nun ist er der erste männliche Wildcard-Spieler seit 25 Jahren, der in Wimbledon das Halbfinale erreicht. Vor ihm gelang das nur Goran Ivanisevic, der 2001 sogar den Titel gewann.
Vor begeistertem Publikum auf dem Centre Court zeigte Fery eine erstaunlich reife Vorstellung. Gegen den French-Open-Finalisten und an Nummer neun gesetzten Cobolli blieb der Brite ruhig, konsequent und fast fehlerlos. Nach dem Matchball sank er auf den Rasen, während die Zuschauer seinen Namen sangen.
„Ich habe im letzten Spiel Emotionen gespürt, die ich noch nie zuvor erlebt habe“, sagte Fery nach seinem Erfolg. Er wisse selbst nicht genau, was in den kommenden Tagen auf ihn zukomme. „Ich war noch nie in dieser Situation. Wir werden es einfach Schritt für Schritt angehen.“
Der Sieg gegen Cobolli war bereits der nächste Höhepunkt eines unglaublichen Laufs. Zwei Tage zuvor hatte Fery auf dem Centre Court den früheren Weltranglistendritten Grigor Dimitrov ausgeschaltet. Diesmal wirkte er weniger überrascht, sondern genoss die Unterstützung des Publikums sichtbar.
Sportlich war es seine bislang souveränste Vorstellung im Turnier. In den ersten Runden hatte Fery noch zwei Fünfsatzkrimis überstehen müssen. Gegen Cobolli nutzte er seine Chancen eiskalt, blieb von der Grundlinie stabil und profitierte von zahlreichen Fehlern des Italieners. Cobolli leistete sich 41 unerzwungene Fehler, Fery dagegen nur 15. Dazu kamen 27 direkte Gewinnschläge des Briten.
Der Erfolg hat auch Auswirkungen auf die Weltrangliste. Fery, der vor 18 Monaten wegen einer Knochenstressverletzung am Arm noch außerhalb der Top 500 stand, wird Wimbledon als neue britische Nummer eins verlassen. Mindestens Platz 36 ist ihm sicher. Damit rückt sogar eine Setzung bei den US Open in Reichweite.
Auch finanziell ist der Halbfinaleinzug ein Meilenstein. Fery erhält mindestens 900.000 Pfund Preisgeld und verdoppelt damit seine bisherigen Karriereeinnahmen deutlich.
Sein Weg macht die Geschichte noch besonderer. Fery wuchs in Wimbledon auf, nur wenige Minuten vom All England Club entfernt. Als Kind besuchte er dort die Matches der großen Stars. Seine Mutter Olivia war selbst Profispielerin. Später ging Fery an die Stanford University und verzögerte seinen Einstieg auf die ATP-Tour, um ein Studium in Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft abzuschließen.
Verletzungen bremsten ihn lange aus. Besonders die Probleme am Arm beschäftigten ihn über anderthalb Jahre und führten nach eigener Aussage zu Zweifeln und schwierigen Momenten. Seit er wieder regelmäßiger spielen kann, zeigt seine Entwicklung steil nach oben.
Im Halbfinale wartet nun Alexander Zverev. Der deutsche Weltranglistendritte und French-Open-Champion geht als klarer Favorit in das Duell. Doch nach Ferys bisherigen Auftritten in Wimbledon dürfte niemand mehr den Fehler machen, den britischen Außenseiter zu unterschätzen. Sein Märchen auf dem heiligen Rasen ist noch nicht zu Ende.
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