Bewaffnete Sicherheitskräfte sind in großer Zahl auf Irans Universitätsgeländen präsent, um anhaltende Studentenproteste gegen Staatsoberhaupt Ali Khamenei niederzuschlagen. Augenzeugen berichten von teils gewaltsamen Auseinandersetzungen, während im Hintergrund neue Gespräche über das iranische Atomprogramm stattfinden.
In Teheran kam es unter anderem an der Universität für Wissenschaft und Technologie zu Handgreiflichkeiten zwischen Studierenden und Mitgliedern der regimetreuen Basidsch-Miliz. Vor der Universität Teheran wurden Pick-ups mit montierten Maschinengewehren gesichtet. Auch aus Maschhad wurden Proteste gemeldet.
Zahlreiche Studierende wurden am Betreten der Campus gehindert, wenn sie bereits an früheren Demonstrationen beteiligt gewesen sein sollen. Hochschulleitungen setzten zudem vielerorts den Präsenzunterricht aus. Schätzungen zufolge finden inzwischen rund 80 Prozent der Lehrveranstaltungen landesweit online statt – auch um größere Versammlungen zu verhindern.
In Videos von der Kunstuniversität in Teheran sind Sprechchöre wie „Wir kämpfen, wir sterben, wir holen uns den Iran zurück“ oder Forderungen nach der Freilassung politischer Gefangener zu hören. Die Proteste bilden eine angespannte Kulisse für die dritte Gesprächsrunde über das iranische Atomprogramm in Genf. Dort wollen Irans Außenminister Abbas Araghchi und der US-Sondergesandte Steve Witkoff erneut verhandeln.
Irans Generalstaatsanwalt Mohammad Mohebi Azad forderte ein hartes Vorgehen gegen die Demonstrierenden. Verantwortliche Stellen müssten die Beteiligten rasch identifizieren und „entschlossene rechtliche Maßnahmen“ ergreifen. Zugleich werfen Regierungsvertreter „feindlichen Kräften“ vor, Unruhe im Land zu schüren.
Die indirekten Gespräche werden von Oman vermittelt und gelten als richtungsweisend. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt mit harten Konsequenzen gedroht, sollte es keine Einigung geben. Berichten zufolge baut Washington seine militärische Präsenz in der Region weiter aus. Trump erklärte, ohne Abkommen werde es „ein sehr schlechter Tag für dieses Land“.
Beobachter verweisen darauf, dass Khamenei seine Rhetorik zuletzt verschärft und religiöse Bezüge zur schiitischen Märtyrertradition von Kerbela bemüht habe – ein Signal der Konfrontation statt des Kompromisses.
Unterdessen sorgt die Zahl der Todesopfer früherer Proteste weiter für Streit. Die in Washington ansässige Menschenrechtsorganisation HRANA spricht von mehr als 7.000 bestätigten Toten seit den Januar-Unruhen. Offizielle iranische Stellen nennen knapp über 3.100 Todesfälle und verweisen auf Differenzen bei der Identitätsfeststellung.
Die eskalierenden Campus-Proteste und das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte verschärfen damit die innenpolitische Krise – just in einem Moment, in dem die internationale Aufmerksamkeit auf die Atomverhandlungen gerichtet ist.
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