Oder: Wie plötzlich alle merken, dass Windräder doch nicht der Untergang des Abendlands sind
Kaum blockiert der Iran die Straße von Hormus und schon wird weltweit wieder hektisch festgestellt, dass es vielleicht doch nicht die brillanteste Idee war, das eigene Wohlstandsmodell auf ein paar empfindliche Öl- und Gaspipelines in einer Krisenregion zu stützen.
Der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, nennt den Iran-Krieg bereits die „schlimmste globale Gefährdung der Energiesicherheit in der Geschichte“. Was dramatisch klingt, ist in Wahrheit nur die internationale Version von:
„Vielleicht hätten wir früher mal ein paar Solarpanele mehr aufs Dach schrauben sollen.“
Denn während Öl- und Gaspreise gerade so steigen, als hätten sie sich ein Luxus-Abo gegönnt, zeigt sich: Länder mit viel erneuerbarer Energie stehen deutlich entspannter da. Wer Strom aus Sonne, Wind und Wasser produziert, muss nämlich nicht jeden Morgen mit zitternder Hand den Brent-Preis checken wie andere Leute ihre Herzfrequenz.
Spanien etwa wirkt in der aktuellen Krise fast schon verdächtig gelassen. Dort bleiben die Strompreise vergleichsweise stabil – dank eines konsequenten Ausbaus der Erneuerbaren.
Norwegen macht sowieso wie immer Norwegen-Sachen: fast nur Wasserkraft, wenig Drama, viel Fjord.
Und Österreich? Hat immerhin reichlich Wasserkraft und entdeckt gerade, dass Windräder vielleicht doch nützlicher sind als Debatten darüber.
E-Control-Chef Alfons Haber bringt es nüchtern auf den Punkt: Je mehr erneuerbare Energie ein Land selbst erzeugt, desto unabhängiger wird es von globalen Preisschocks. Anders gesagt:
Wer seinen Strom selbst macht, muss nicht bei jedem geopolitischen Wutanfall gleich Schnappatmung bekommen.
Besonders hübsch ist der Vergleich zwischen Spanien und Italien: In Spanien musste zuletzt nur relativ selten ein fossiles Kraftwerk den Strompreis bestimmen, in Italien dagegen fast ständig. Ergebnis: Spanien zahlte deutlich weniger, Italien durfte wieder einmal lernen, dass Gasabhängigkeit keine mediterrane Lifestyle-Entscheidung ist.
Natürlich gibt es auch Probleme: Selbst für Solarmodule und Windkraft braucht man Materialien wie Aluminium, und auch da hängt einiges am Nahen Osten. Kurz gesagt: Selbst die Energiewende ist derzeit nicht komplett immun gegen den globalen Irrsinn.
Trotzdem ist die Botschaft klar:
Erneuerbare Energien retten nicht nur das Klima – sie retten im Krisenfall auch Nerven, Haushaltsbudgets und vermutlich manche Regierungskoalition.
Fazit: Jahrelang hieß es, grüne Energie sei teuer, riskant und irgendwie verdächtig. Jetzt zeigt sich: Teuer, riskant und verdächtig war vor allem die Idee, weiter auf schwarzes Gold zu setzen und zu hoffen, dass im Nahen Osten schon alles ruhig bleibt.
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